„A Perfect Match“ von Guido F. GEBAUER

Bewertung: 4.5 von 5.

Mein Gesamturteil:
Ein praktischer, anwendungsfreundlicher und gleichzeitig seriöser Ratgeber für Menschen, die eine Partnerschaft suchen und sich dabei auch in der Online-Welt umschauen wollen.

GEBAUER ist ein gründlicher Mensch: Schrittweise, logisch strukturiert und mit didaktischem Geschick begleitet er die Partnersuchenden durch den gesamten Prozess – von der Entscheidung („Ja, ich will wirklich eine Beziehung“) bis zur Erhaltung der Beziehungsqualität im Alltag („So kann ich es auf Dauer hinbekommen“).
Der Autor bedient eine ganze Reihe von Ebenen parallel: Er gibt Anleitungen zur Selbstreflexion, gibt sachliche Informationen zu allgemeinen Beziehungsthemen, untermauert wichtige Fragestellungen mit empirischen Daten und gibt handfeste Tipps für die Auswahl von Vermittlungs-Angeboten, für die Selbstdarstellung im Netz und für die Beziehungs-Anbahnung.
Man könnte fast sagen: Ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für den Weg zum Beziehungs-Glück!

Der Autor zeigt sich in seinem Ratgeber durchaus als Fachmann mit klaren Haltungen und Empfehlungen. Gespeist werden diese aus zwei Quellen: Er ist Psychologe und ist selbst ein einer Partner-Agentur tätig. Eine Vermischung zwischen fachlicher Beratung und kommerziellen Eigeninteressen ist aber an keiner Stelle spürbar. Indirekt steckt natürlich – zwischen den Zeilen – die Botschaft, dass er sich ganz bestimmt dafür einsetzt, dass in seinem Verantwortungsbereich die formulierten Regeln und Maßstäbe eingehalten werden.

Sympathisch ist beispielsweise, dass GEBAUER sich kompromisslos für Ehrlichkeit und Authentizität einsetzt – sowohl bei der Selbstdarstellung im Netz, als auch in der Phase des Datings (also der Partnerauswahl bzw. Beziehungsanbahnung). Auch, dass man während einer ernsthaften Beziehungsanbahnung nicht unbekümmert weitere „Eisen im Feuer“ hält, gehört zu seinen Fairness-Regeln.
Gleichzeitig warnt GEBAUER ganz offen vor den Risiken, die im Bereich der Online-Partnersuche (sowohl emotional als auch finanziell) lauern. Dabei differenziert er sorgfältig zwischen den verschiedenen Plattformen: Dating-Apps, Online-Partnerbörsen und Partnervermittlungen.
Sicherlich hilfreich sind auch Hinweise darauf, dass eine zu enge Festlegung auf bestimmte Auswahlkriterien (Aussehen, Alter, Wohnort, materielle Rahmenbedingungen) letztlich die Chancen eines „Matches“ (eines Treffers) stark einschränken könnte.

Überhaupt schlägt der Autor immer wieder vor, sich von starren und unhinterfragten „Beziehungs-Bildern“ zu lösen: Liebe/Partnerschaft kann ganz unterschiedlich aussehen (auch dazu gibt es jede Menge Infos) und muss weder mit einer himmelhochjauchzenden Verliebtheitsorgie beginnen, noch muss sie in das Standardmodell einer streng-monogamen und zusammenwohnenden Beziehung münden.

Gebauer macht an verschiedenen Stellen deutlich, dass sich Beziehungsglück nicht von alleine einstellt. Er verlangt von seinen Lesern/Leserinnen zunächst einmal Ehrlichkeit vor sich selbst: Bin ich wirklich beziehungsbereit? Habe ich die Motivation, mich offen zu zeigen, mich ernsthaft einzulassen, geduldig zu sein und auch Kompromisse einzugehen? Schleppe ich vielleicht noch Hypotheken mit mir herum, die ich besser vorher angehen sollte (z.B. ein Suchtproblem)?
An anderer Stelle nimmt der Psychologe seine Schützlinge sehr direkt an die Hand und beschreibt in fast oberlehrerhaften Form, wie eine „Profildarstellung“ in einer Online-Agentur genau gestaltet werden sollte.

Insgesamt wird deutlich, dass sich die Online-Partnersuche in wichtigen Punkten von der Alltags-Situation unterscheidet: Viele grundsätzliche Entscheidungen werden zu einem frühen Zeitpunkt gefällt – lange bevor es um einen konkreten Menschen geht. Im echten Leben muss man alles gleichzeitig beachten und sortieren: die strukturellen und die emotionalen Ebenen.
Andersherum mutet die systematische Vorbereitung auf die (irgendwann später) stattfindende Begegnung ein wenig so an, als würde man eine wichtige Konsumentscheidung (z.B. für eine Wohnung oder ein Auto) treffen.
Vermutlich muss man das für sich selber mal ausprobieren. Die Schwelle dafür zu senken – das ist dem Autor in diesem Buch ganz sicher gelungen!

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