„Achtsam Morden“ von Karsten DUSSE

Bewertung: 2 von 5.

Ohne Zweifel: Der Titel schreit nach Aufmerksamkeit! Die Kombination von Achtsamkeit und Mord erscheint paradox und provokant – das ist schonmal gelungen!
Doch bevor ich bei Krimi-Fans falsche Erwartungen wecke: Ich bin nach etwa einem Drittel ausgestiegen.
Von mir ist an dieser Stelle also nur zu erfahren, warum ich dieses Buch nicht mag.

Da ich kein Krimi-Junkie bin, brauche ich zusätzliche Motivation. Eigentlich brauche ich noch mehr: Da mich die Schilderung von Gewalt und Grausamkeit grundsätzlich erstmal abschreckt (warum das nicht bei allen so ist, verstehe ich nicht), muss es ein erhebliches Gegengewicht in der Waagschale liegen.
Das Achtsamkeits-Prinzip – so dachte ich – könnte so eine Rolle spielen. Sind doch die Anleitungen zu einem „achtsamen“ Leben aus den Bereichen Therapie, Beratung, Coaching und Lebenshilfe seit vielen Jahren nicht mehr wegzudenken. Wer heute ein Angebot in diesen Bereichen macht, ohne das A-Wort zu erwähnen, ist wohl ziemlich out.

Das Buch basiert auf dem Grundgedanken, dass letztlich jede Handlung davon profitierte, „achtsam“ vollzogen zu werden; gleichzeitig profitierten Menschen ganz grundsätzlich davon, dass sie das, was sie tun, achtsam täten.
Was würde passieren, so fragte sich DUSSE, wenn man diese vermeintlich universelle „Wahrheit“ auf das Begehen von Verbrechen anwendete.

In dem Roman ist es ein – extrem unsympathischer – Anwalt, der dieses widersprüchliche Feld erkundet. Er hat sich darauf spezialisiert, seine juristischen Künste einem Gangster und dessen unternehmerischen Aktivitäten zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig hat er Eheprobleme – was ihn aber nur deshalb stört, weil er auch eine kleine Tochter hat.
Nachdem er von seiner Frau gezwungen wurde, eine Achtsamkeitstherapie zu besuchen, wendet er seine Erkenntnisse dann eben beim Morden an (natürlich gegen die Bösen).

Ich verstehe ja, wenn man ein Prinzip gerne mal ad Absurdum führen will. Prima, gute Idee!
Aber warum muss ich mir seitenweise brutale und sadistische Tötungshandlugen zu Gemüte führen, nur um auf ein Paradox gestoßen zu werden: dass nämlich Achtsamkeit eben nicht beliebig angewendet werden kann, wenn das Konzept seinen ursprünglichen Sinn behalten soll.

Vielleicht bin ich ja ein miesepetriger Spaßverderber – aber das ist einfach nicht mein Humor! Ich finde Morde nun mal nicht witzig, selbst wenn das (erste) Opfer sicher ein riesiges Arschloch war.
Ich gehe da einfach nicht mit. Situationskomik erreicht mich nicht, wenn es um die Zerstückelung von Menschen geht. Sorry!

Aber: Das Buch ist super erfolgreich.
Um das zu verstehen, rate ich ernsthaften Interessenten, lieber eine andere Rezension zu lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.