31.03.2020

In eigener Sache

Meine neuer Blog ist (erstmal) fertig; endlich!
Das muss für heute reichen; mehr Bildschirm-Arbeit ist nicht sinnvoll.

Infos zu den Veränderungen gibt es hier. Neu ist nicht das Erscheinungsbild, wohl aber der Aufbau und die Nutzbarkeit. Schaut mal bei den Büchern oder bei der Politik.
Die meisten von euch haben dazu auch eine separate Nachricht bekommen

Warum ich Bücher-Rezensionen schreibe

Den folgenden Text habe ich auf der Plattform „mojoreads“ veröffentlicht. Er wurde da durchaus beachtet. Ich stelle ihn deshalb auch hier mal (in leicht verkürzter Form) ein.

Ich bin leider erst sehr spät in meiner Lesebiographie auf die Vorzüge gestoßen, die das Schreiben von Rezensionen mit sich bringt. In den letzten Jahren habe ich diese Vorzüge sehr schätzen gelernt und möchte davon kurz berichten. Die meisten von euch werden ähnlich Erfahrungen selber machen; es geht mir also nicht darum euch irgendetwas Neues zu erzählen, sondern nur darum, diese Erfahrungen einmal in Worte zu fassen.

Das Festhalten von Empfindungen und Gedanken, die ein Buch auslöst, hat für mich zwei Haupteffekte: es intensiviert das Lesevergnügen selbst und vergrößert die Nachhaltigkeit, also den langfristigen Gewinn. Das muss natürlich nicht für jeden Menschen so gelten, weil es für viele völlig ausreicht, das Vergnügen beim Lesen als ein eher „diffuses“ Gefühl zu genießen. Auch die Inhalte oder Themen, die angestoßen werden, können ja durchaus aufgenommen und genutzt werden, ohne sie in eine eigene, sprachlich durchstrukturierte Form zu bringen. Das ist alles richtig und okay.

Ist man aber ein Mensch, der sprachliche Erfassung und Formulierung eigener Gedanken als ein Vergnügen und nicht als eine Pflicht erlebt, ist die Situation ganz klar: Ich bin durch das Verfassen einer Rezension dazu gezwungen, meinen Gedanken zu ordnen und auszudifferenzieren. Wenn ich etwas in eigene Worte fasse, muss ich es klarer durchdringen, als wenn ich meinen Gedankenstrom fließen lasse. Diese Genauigkeit („welches Wort trifft es am besten?“)führt letztlich dazu, dass ich aus dem gelesenen Text mehr für mich herausholen kann – weil ich mir dessen Wirkung durch die Versprachlichung bewusst mache.

Vielleicht kennen andere Menschen diese Erfahrung von Gesprächen nach einem Kinobesuch mit Freunden. Es gibt Menschen, die völlig damit glücklich sind, sich nach einem Film gegenseitig zu bestätigen, dass man ihn genossen hat. Andere Menschen freuen sich schon während des Films darauf, seine Figuren und Handlungsstränge noch mal auf ihre Bedeutung oder in Bezug auf die ausgelösten Empfindungen zu diskutieren. Man dringt sozusagen auf der Analyseebene noch einmal auf eine tiefere Schicht ein und wird sich über die Erlebnisse und deren Hintergründe bewusster. Und erkennt vielleicht Zusammenhänge zwischen filmischen Stilmitteln und deren Wirkungen.

So geht es mir im Umgang mit einem Buch: Schreibe ich eine Rezension, dann eigne ich mir das Buch in einer größeren Intensität an und schaffe gleichzeitig eine Grundlage für mein Gedächtnis, davon auch langfristig zu profitieren.

Literaturwissenschaftliche Aspekte spielen bei meinen Rezensionen keine Rolle; ich habe dafür auch einfach nicht die theoretischen Grundlagen. Viel wichtiger ist es mir, das Gelesene mit meiner Person, meinen Erfahrungen, meinen Zielen und meinen Werten in Verbindung zu bringen. Diese Verbindung, die ja in einer Bestätigung oder in einer Widersprüchlichkeit bestehen kann, ist für mich oft der entscheidende Punkt, der ein Buch für mich interessant macht.

Deshalb ist mein Ziel nicht in erster Linie eine neutrale oder objektive Beschreibung der Qualitäten eines Buches (das muss sicherlich auch ein Aspekt sein), zu sondern es geht für mich immer auch um den Bezug zu mir: Ich muss als Personen in jeder Rezension spürbar sein – sonst ist es nicht meine Rezensionen. Das mögen andere gerne als irgendwie selbstverliebt oder ichbezogen beurteilen; trotzdem ist es meine Triebfeder zu schreiben.

03.02.2020

Ich werde heute mal ein wenig persönlich:

In ca. 30 Minuten werde ich so alt sein, wie es Udo Jürgens mal vor vielen Jahren besungen hat (die Zahl mit den zwei Sechsen).
Damals war das für mich (außer dass es natürlich nicht meine Art von Musik war) eine irgendwie skurrile, weit entfernt liegende Vorstellung, dass es in einem solchen „biblischen“ Alter noch irgendeine Form von Aufbruchstimmung oder Lebensfreude geben könnte.
Ich dachte: „Na ja, da redet (singt) sich ein alter Mann das Altwerden schön. Vielleicht irgendwie anrührend – aber doch fern von jeglicher Realität.“

Nun höre ich zwar immer noch lieber den anderen Udo.
Aber die Idee, dass „noch längst nicht Schluss ist“, kommt mir nicht mehr so abwegig und fremd vor (wohl wissend, dass es dafür keinerlei Garantie geben kann).
So bin ich dann dankbar, dass dieser Gassenhauer tatsächlich noch eine persönliche Bedeutung für mich bekommen hat. Ich habe ihn – sozusagen – eingeholt.

Dass ich ihn (den Gassenhauer) deshalb morgen mal höre, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich.
Obwohl ich inzwischen in einem „ehrenwerten Haus“ wohne und manchmal auch „griechischen Wein“ trinke.
(Ich gebe es ja zu: Auch dieser Udo gehört ein bisschen zur bundesdeutschen Kulturgeschichte….).

Ich begleite aber doch lieber Lindy bei „Ich mach mein Ding“ auf dem Schlagzeug.

Jetzt sind es nur noch 5 Minuten…

30.01.2020

Interessierte Kreise wittern einen Skandal und arbeiten vermutlich schon an Verschwörungstheorien.

Worum geht es? Greta will die Markenrechte für Fridays for Future rechtlich sichern lassen. Greta also auf dem Weg zur Kapitalistin – gierig darauf, sich ihren Protest versilbern zu lassen?

Wer es ernsthaft für möglich hält, dass Greta oder ihre Familie das Risiko eingehen würden, die Glaubwürdigkeit ihres Engagements und der Bewegung insgesamt aufs Spiel zu setzen, der hat etwas nicht verstanden.

19.01.2020

Mal wieder etwas Neues!
Ein Tipp von meinem Sohn, den ich sofort umgesetzt habe.

Es gibt eine Plattform für Bücher-Fans, die sich von „normalen“ Buch-Shops unterscheidet: www.mojoreads.de.

Der Clou: Dort werden Leser, die ihre Lieblingsbücher bewerten und/oder rezensieren mit „Punkten“ (Credits) belohnt. Es gibt sogar eine kleine Umsatzbeteiligung, wenn jemand anderes aufgrund einer solchen Bewertung das Buch bestellt.

Das Ganze ist an dem Gedanken der Gemeinwohl-Wirtschaft orientiert. Es wird ein deutlich anderes Umfeld als bei Amazon geboten; das ist sehr angenehm.
Die Leute, die dort posten, haben wohl einfach eine intensivere Beziehung zu Büchern.
Und da es eine kleinere Community ist, wird man mit dem, was man schreibt, auch wahrgenommen.

Ich habe inzwischen einige Rezensionen aus meinem Blog dorthin übertragen. Vielleicht schaut ihr mal rein.
(Der Link funktioniert wohl nur am PC richtig; für Tablet oder Smartphone braucht man vorher die mojoreads-APP).

18.01.2020

Ausprobieren ist ja wirklich reizvoll: Man kann entscheiden, ob die neue Sache zu einem passt und man kann – auch bei einer klaren Verneinung – immer noch sinnvoll mitreden.

Heute Nacht war der E-Scooter dran. Die letzte Bahn war schon weg, der Fußweg erschien etwas zu weit, das Auto war schon zu Hause.
Was macht der moderne Rentner: Er lädt die LIME-App runter, meldet sich an, zahlt über PayPal 5 Euro auf ein Prepaid-Konto und macht sich mit der geöffneten App auf die Suche nach dem nächsten angezeigten Fahrzeug.

Nun gut. Es herrschten erschwerte Bedingungen. Dunkel, kalt und ungemütlich. Keine Erfahrung oder Vorinformationen. Es hakte etwas. Eine erfahrene Userin kam mir zu Hilfe (das mag für andere Menschen in meinem Alter normal sein – für mich ist es nicht identitätskompatibel).
Ich fuhr voll konzentriert. Es fühlte sich extrem unkomfortabel an, hart und ruckelig. Aber ich kam zu Hause an. Noch hatte ich einen kleinen zeitlichen Vorspruch gegenüber dem Fußmarsch…

Kapiert hatte ich schon, dass ich mich elektronisch abmelden musste.
Das ging aber leider nicht. Weil ich – ohne es zu ahnen – die vorgesehene Nutzungszone verlassen hatte.
Was tun? Es war immer noch dunkel, kalt und ungemütlich.
Ich fuhr zurück in die erlaubte Zone. Es handelte sich um mehr als die Hälfte der Strecke, die ich insgesamt zurückgelegt hatte.

Das Parken und Abmelden funktionierte dann ganz gut. Ich sollte noch ein Foto machen – zum Beweis, dass ich vernünftig geparkt hatte. Fotos machen kann ich.

Ich brauchte dann nur noch nach Hause laufen. Am Ende war mir dann auch warm.
Von den 5 Euro waren 4,20 € verbraucht. Wegen der ganzen Hin- und Herfahrerei.
Ich war dann etwas 30 Minuten später zu Hause als bei einem ganz normalen Fußmarsch. Aber um eine Erfahrung (Wortspiel!) reicher.
Die 80 Cent lasse ich verfallen. Die App wird gelöscht.
Goodbye, schöne neue E-Scooter-Welt!

15.01.2020

Es sind sehr grundsätzliche Einstellungen und Bewertungen, die sich in den letzten Monaten und Jahren gewandelt haben. Manches, was noch vor kurzer Zeit selbstverständlich war, löst heute Kopfschütteln oder sogar Wut oder Fassungslosigkeit aus. Sehe ich heute rauchende Schlote von Kohlekraftwerken oder riesige Öltanker, kommt mir das geradezu pervers vor. Wie konnte man – so frage ich mich – diese Bilder einmal kritiklos als willkommenen Ausdruck wirtschaftlicher Prosperität interpretieren? Bestimmte Weltsichten sind wohl für alle Zeiten verloren gegangen. Hoffentlich nicht zu spät….

Das Geschenk der ewigen Jugend

THE WHO veröffentlichen ein neues Album

In meiner Generation entwickelte die Illusion von der nie endenden Jugendlichkeit eine nie gekannte Attraktivität. Sowohl die von den 68igern eingeleiteten gesellschaftliche Wende als auch die Beat- und Popkultur, die vor 50 Jahren in Woodstock ihren Höhepunkt fand, ließen die Grenzen zwischen der Jugend- und Erwachsenenwelt zunehmend verschwimmen. Die Schönheitsindustrie und die Werbewelt weiß das bis heute kommerziell zu nutzen.
Die später in den Wortschatz eingehenden Begriffe „Berufsjugendlicher“ oder „Alt-Hippie“ weisen exemplarisch auf diesen Trend. Ebenso der verzweifelte Kampf der Kids, sich in den sozialen Medien immer wieder neue, exklusive Plattformen zu schaffen – bevor die Elterngeneration auch in diese Welt erbarmungslos eindringt (wie inzwischen bei Facebook oder Instagram geschehen).

Wer gerne irgendwie jung bleiben möchte und gleichzeitig musik-affin geprägt wurde, lebt aktuell geradezu unter paradiesischen Bedingungen. Wer in unserem Land in einer Metropole oder auch im Ruhrgebiet lebt, kann mindestens zweimal pro Woche auf ein Konzert von Künstlern (bzw. deren Cover-Bands) gehen, deren Namen seit einem halben Jahrhundert geläufig sind. Zusammen mit mehreren Spezial-Musikzeitschriften für die Zeit zwischen 1960 und 1980 und den unglaublich zahlreichen Neuausgaben bzw. De-Luxe-Zusammenstellungen auf CD und Vinyl entsteht geradezu ein eigenes Musikuniversum. Ein bisschen so, als wäre die Welt stehen geblieben…

Meine mit 11 Jahren entdeckte (und seitdem identitätsstiftende) Gruppe THE WHO (bzw. ihre beiden Rest-Mitglieder) gehören – zusammen mit den ROLLING STONES – zu den Musikern, die das Feeling der ewigen Jugend – auf höchstem Bekanntheits- und Qualitätsniveau zelebrieren. Sie touren noch immer (immer wieder) erfolgreich durch die Stadien der Welt und spielen – natürlich – ihre Hits, die in das Weltkulturerbe des 20. Jahrhunderts eingegangen sind.

Auf diesem Hintergrund lässt eine Neuerscheinung der Veteranen (alle in den mittleren 70igern) natürlich aufhorchen: Das neue Album der WHO wird auch in den Mainstream-Medien wohlwollend erwähnt und durchweg positiv bewertet.
Für mich persönlich beinhaltete einen besonderen Jugendlichkeits-Kick: Konnte ich mich doch noch einmal als richtiger Fan fühlen, gespannt die Vorankündigungen in der Presse verfolgen und nachts um 0 Uhr auf die Freischaltung bei Spotify warten. Kurz danach ein erster Austausch mit meinem Jugend-Freund (Meinolf) – zeitgemäß über WhatsApp.
Mehr aktualisierte Nostalgie geht kaum! Danke an Pete Townshend und Roger Daltrey!

Als ich 1965 „My Generation“ in meinem Nordmende-Transistor-Radio hörte (in diesem Jahr waren „Satisfaction“ und „Help“ meine anderen Favoriten), lag der Gedanke, dass ich 2019 als frisch gebackener Rentner eine neues WHO-Album hören würde, eher fern.
Von mir aus müssen die musikalischen Helden meiner Jugend nicht aufhören.
Ich lebe – zum Glück – nicht überwiegend in einer Vergangenheits-Blase. Eher im Gegenteil. Aber ich möchte diesen Aspekt meiner Gesamt-Identität nicht missen.

Vielleicht wartet ihr ja auf eine Aussage zum Album selbst?
Ja, es ist tatsächlich gute WHO-Musik. Überwiegend klingt es wie früher – mit ein paar kleinen Ausflügen in andere Stilrichtungen. Hörenswert. Deutlich besser als der letzte Versuch von 2006 (Endless Wire).

Wer sich motiviert fühlt, sich einen kleinen, journalistisch aufbereiteten Einblick in die WHO-Welt zu gönnen: Das Magazin ttt hat am 08.12.19 einen Beitrag gesendet. Er wird noch eine Weil hier abrufbar sein.