„Das Labyrinth der Lichter“ von Carlos Ruiz ZAFÓN

Man muss schon etwas Mut aufbringen, um sich kritisch mit einem Buch dieses gefeierten Schriftstellers auseinanderzusetzen. Er hat sich in den letzten Jahren als DER Autor für das Thema „Barcelona im Spanischen Bürgerkrieg“ etabliert.
Auch für sein neues Buch hagelt es euphorische Rezensionen. (4,5 von 5 Sternen bei Audible).

Um es kurz zu sagen: Ich fand das Buch so schlecht, dass ich nach der Mitte abgebrochen habe.

Das lag nicht daran, dass ich den Schreibstil oder das Thema nicht wertschätzen kann; ich habe frühere Bücher durchaus mit Gewinn gelesen.

Das aktuelle Buch hat mich aus zwei Gründen geärgert:
Es enthält für meinen Geschmack ein Übermaß an Schilderungen von sadistischer Brutalität. Und zwar in einer Detailbesessenheit, die sicher nicht als literarisches Mittel benötigt wird, um einen realistischen Eindruck von der historischen Situation zu verschaffen.
Darüber hinaus wird extrem viel Mühe darauf verwandt, zwischen den Hauptpersonen ein komplexes System von Verbindungen, Abhängigkeiten und Intrigen zu spinnen. Dabei entstand für mich irgendwann der Eindruck, dass es weniger um eine spannende Handlung oder die Vermittlung von zeitgeschichtlichen Einblicken geht, sondern die „kunstvolle“ Konstruktion dieser Verstrickungen sozusagen zum Selbstzweck des Buches geworden ist.
Dies wird spätestens an der Stelle deutlich, an der dem Autor offenbar gar nichts anderes übrig bleibt, als dieses System einmal im Zusammenhang  – eingewoben in einen Dialog – systematisch auseinanderzuklamüsern.
Bei mir entstand der Eindruck: Es ist einfach zuviel des Guten; die Qualität eines Buches bemisst sich nicht an der Raffinesse des Beziehungs-Plots.

Schade – ich kann jedenfalls nur abraten!

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