„Das Meer“ von Wolfram FLEISCHHAUER

Bewertung: 5 von 5.

Ab und zu gibt es sie: die perfekte Kombination von spannender Unterhaltung und informativer, aufrüttelnder Botschaft. Bei dem Öko-Thriller „Das Meer“ ist genau das gelungen.

Grob gesagt gibt es zwei Sorten von Spannungs-Literatur, die sich auf eine aktuelle gesellschaftliche Problematik bezieht.
Die eine Gruppe benutzt das Trend-Thema (nur) als eine Art Eyecatcher, um darauf eine irgendwie austauschbare Story zu konstruieren. Bald geht es nur noch um Gut gegen Böse, um Sex and Crime, um actiongeladene Showdowns. Aber man ist ja am Puls der Zeit…
Ganz anders bei Büchern wie diesem hier: Auch hier gibt es eine Story mit Protagonisten und Identifikationspotential, es gibt einen Spannungsbogen und überraschende Wendungen. Und doch hat man das Gefühl, es geht vorrangig um den Inhalt, um eine Botschaft, um Information, um ein Wachrütteln.
„Das Meer“ nutzt nicht einen Inhalt, um eine Geschichte zu erzählen, sondern erzählt eine Geschichte, um einen bedeutsamen Inhalt zu verbreiten. Und das passiert ziemlich perfekt!

Wir lernen in diesem Roman etwas über einen Wirtschaftszweig, der vergleichsweise selten im Blickpunkt der kritischen Berichterstattung steht: die illegale Fischerei-Industrie.
Das klingt vielleicht im ersten Moment banal – angesichts der Diskussion um Klimawandel allgemein und der skandalösen Massentierhaltung in einer aus dem Ruder gelaufenen Landwirtschaft.
Aber FLEISCHHAUER verrückt rasch die Proportionen. Der Raubbau an und in unseren Weltmeeren, die verantwortungslose Überfischung und die Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts in den Ozeanen (insbesondere auch am Meeresboden) haben das Potential für ein mittelfristiges Desaster. Und wie bei allen großen ökologischen Krisen leiden schon jetzt die ärmsten Bewohner unseres Planeten massiv unter den Folgen.

Der Roman beschreibt das Spannungsfeld zwischen zwei Methoden, gegen die mafiösen, multinational organisierten Fischerei-Syndikate vorzugehen. Es gibt den offiziellen Weg der internationalen Vereinbarungen und den darauf basierenden Kontrollversuchen. Und es gibt eine Gruppe von Aktivisten, die sich angesichts der jahrzehntelang erfolglosen Versuche zu einer Art „Notwehr-Aktion“ entschlossen haben.
Mittendrin agiert der Ich-Erzähler, ein etablierter Dolmetscher, der privat bzw. beruflich zu beiden Seiten Kontakte hat. Auch für ihn stellt sich – stellvertretend für die Leser – die Frage, auf wessen Seite er steht. Dass er die Distanz zu dem Thema verliert, dafür ist gesorgt!

Der Autor pflegt den Spannungsbogen durch einen häufigen Wechsel der Perspektiven (Personen und Schauplätze); dadurch gewinnt die Story an Dynamik, bekommt einen echten Drive. Niemand muss befürchten, dass hier Umweltpädagogik mit dem erhobenen Zeigefinger betrieben wird. Die Informationen werden sehr stimmig in die Dialoge verpackt.

Dieses Buch berührt nachhaltig, weit über die eingebaute Spannung hinaus.
Es geht dabei nicht nur um das private Konsumverhalten („Wie oft esse ich welche Sorte Fisch mit welchem Schuldgefühl?“). Es geht auch um die sehr prinzipielle Frage, ob – und unter welchen Bedingungen – es ein Widerstandsrecht zur Verteidigung unserer natürlichen Lebensgrundlagen gibt, wenn die Politik und die Institutionen ganz offensichtlich versagen.

Es bedarf wohl keiner großen prognostischen Fähigkeiten, um davon auszugehen, dass so etwas wie „Öko-Terrorismus“ auf uns zukommen könnte.
Dieses Buch mit Thriller-Qualitäten setzt sich auf eine sehr anschauliche und anregende Weise mit dieser relevanten Thematik auseinander.
Toll gemacht!

Eine Antwort auf „„Das Meer“ von Wolfram FLEISCHHAUER“

  1. Hallo Frank , niemand, außer Du kann den Inhalt des Buches besser beschreiben und deuten. Es ist ein sehr spannende und doch sehr nachdenkliche Story, welche uns im Alltag begleiten wird. Tolles Buch

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