„Der Fall des Präsidenten“ von Marc ELSBERG

Bewertung: 3 von 5.

Aus einem zeitgeschichtlich relevanten Thema einen Spannungs-Roman zu machen, ist erstmal eine tolle Idee. Genau das passiert zur Zeit am laufenden (Regal-)Meter beim Mega-Thema Klima/Nachhaltigkeit.
Im aktuellen Buch von ELSBERG geht es um einen anderen, sehr kontrovers diskutierten Fragenkomplex: Welche persönliche Schuld laden Oberbefehlshaber auf sich, wenn es unter ihrem Befehl bei Kampfeinsätzen zu Kriegsverbrechen kommt? Unter welchen Bedingungen kann bzw. soll der Internationale Gerichtshof in Den Haag solche Vergehen behandeln können?

Um die Sache noch ein bisschen verstrickter zu machen, hat sich der Autor folgende konkrete Ausgangslage ausgesponnen: Obwohl die USA die Zuständigkeit dieses Gerichtes für seine Bürger nicht akzeptiert, hat sich eine engagierte Gruppe von Mitarbeitern das Ziel gesetzt, den Ex-Präsidenten anzuklagen. Um seiner habhaft zu werden, nutzen sie die Kooperationsbereitschaft einer griechischen Ministerin und erreichen eine vorläufige Festnahme.
Der Roman stellt die sich daraus ergebenden Verwicklungen im Stile eines Gerichts-Thrillers dar – wobei der Hauptteil des Geschehens außerhalb des (griechischen) Gerichtssaals stattfindet.
Wie man sich unschwer vorstellen kann, unternehmen die USA alles Erdenkliche, um die Freilassung ihres Ex-Regierungschef zu erreichen. So entsteht eine klassische zwei Fronten-Konstellation, in der David (insbesondere eine engagierte Anwältin und ihr Mini-Team) gegen Goliath (den gesamten amerikanischen Staatsapparat) kämpft.
(Dass es noch eine dritte Front gibt, lasse ich mal beiseite).

Was so oft in solchen Plots passiert, geschieht auch bei ELSBERG: Wo es am Beginn noch um einen differenzierten Einblick in die Feinheiten des Völkerrechts und um die (sehr emotionalisierte) Darstellung der Folgen z.B. des Drohnenkriegs für die Zivilbevölkerung geht, findet später eine immer abstruserer Schlagabtausch zwischen „gut“ und „böse“ statt. Der Wettlauf gegen die Zeit kulminiert letztlich (Überraschung!) in einem klischeehaften Showdown, in dem einem die zahlreichen Drohnen nur so um die Ohren sausen.

Okay: Wer einfach spannende Unterhaltung sucht und die dafür üblicherweise eingesetzte Action-Elemente nicht scheut, der macht mit diesem ELSBERG-Werk sicher nichts falsch. Nebenher gibt es doch eine recht gründliche Aufklärung über die Grundlagen und Mechanismen der internationalen Gerichtsbarkeit im Bereich Kriegsverbrechen.
Wenn man nach dem themenorientierten Einstieg jedoch etwas anders erwartet als die die üblichen Zutaten aus dem Spannungssortiment, dann enttäuscht dieser Roman letztlich doch.
Fairerweise muss man allerdings sagen: Es steht „Thriller“ drauf – und man bekommt einen Thriller.

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