„Der Klon“ von Jens LUBBADEH

Bewertung: 3.5 von 5.

Auf die Versuche, die geschichtliche Singularität Adolf Hitler in die zeitgenössische Unterhaltungsliteratur einfließen zu lassen, habe ich bisher eher mit Distanz und Skepsis reagiert. So habe ich auch diesen in der nahen Zukunft (2033) spielenden Roman mit gemischten Gefühlen begonnen.
Vorweg sei deshalb gesagt: Es findet keine Banalisierung der Nazi-Schreckensherrschaft und der Figur Hitler statt.

LUBBADEH verbindet in seinem Roman die ethische Problematik des Klonens von Menschen mit der politischen Bedrohung durch das Erstarken einer Rechts-Partei in Deutschland.
Nur so viel sei verraten: Es wurde (in Südkorea des Jahres 2008) tatsächlich erfolgreich versucht, Hitler zu klonen – mit dem langfristigen Ziel, ihn dann als Erwachsenen in die Dienste der Partei bzw. des rechten Umschwungs zu stellen.
Erzählt wird eine ziemlich verworrene Geschichte, in der neben dem Klon-Wissenschaftlern auch zwei Parteiführer, ein ebenfalls geklontes Brüderpaar und eine um Aufdeckung bemühte Journalistin die Hauptrollen spielen.
Der Autor lässt es sich nicht nehmen, auch die realen Parteien (mit ihren Original-Namen) in das Ränkespiel um die Macht zu schicken; nur die Rechten heißen anders (obwohl natürlich jede/r weiß, wer gemeint ist).

Das Klonen selbst wird nicht nur an der Stelle hinterfragt, wo es um den „Ersatz“ für früh verstorbene eigene Kinder geht; noch heftiger wird um die Frage gestritten, im welchem Umfang die (identischen) Gene die Persönlichkeit eines Menschen festschreiben, sein zukünftiges Verhalten determinieren oder sogar die Schuld des „Vorgängers“ in sich tragen.
Ganz unabhängig von der Exzentrik der kurvenreichen Story bietet damit dieser Polit-Thriller durchaus einen interessanten thematischen Background an.

Der Roman entwickelt einen beträchtlichen Drive, arbeitet mit Spannungsbogen und hält Überraschungen bereit (die aufmerksame Leser/innen schon recht früh erahnen).
Das Einweben des Plots in den – etwas fortgeschriebenen – deutschen gesellschaftlichen und politischen Alltag erscheint mir gut gelungen.
Der Autor vermutet, dass sich eine breite Stimmung gegen die Klima-Politik ausbilden wird, die dem Rechtsruck den Boden bereitet (was nicht die unrealistischste Perspektive sein mag).

LUBBADEHs Buch bietet spannende und – phasenweise – auch anregende und informative Unterhaltung- nicht mehr, aber auch nicht weniger. Allerdings sollte man nicht allzu empfindlich gegenüber extremen Ausschlägen und Wendungen sein. Es ist kein Roman der Nuancen und Differenzierungen – es geht es recht heftig zur Sache (zum Glück allerdings ohne Gewaltexzesse). Dass man gelegentlich (zumindest innerlich) den Kopf schütteln wird, sollte man einplanen.

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