„Die Lehren der Philosophie“ von Michael HAMPE

Philosophische Texte bestehen – wie alle Texte – aus Inhalten und einer sprachlichen Umsetzung dieser Inhalte. Weil die Themen philosophischer Betrachtungen meist schon sehr abstrakt sind (Erkenntnismöglichkeiten, moralischen Grundsatzfragen, usw.), sind Reflexionen darüber – die meist auch noch auf Ausführungen anderer Denker Bezug nehmen – oft eine Herausforderung. Dazu kommt offensichtlich die berufstypische Neigung, die Qualität der eigenen Beiträge durch die Komplexität der Sprache zu demonstrieren. So entstehen dann manchmal Sätze (oder ganze Abschnitte), in denen ein Durchschnitts-Leser noch nicht einmal „Bahnhof“ versteht.

Ich habe kürzlich eine Buch von HAMPE besprochen, in dem sich der Autor dem interessierten philosophischen Laien zuwendet. Das hat mich ermutigt, einen Schritt weiter zu gehen. Das war ein Fehler. Man sollte wissen, wann man seine Grenzen erreicht hat…

Ich will trotzdem versuchen, in ein paar wenigen Sätzen zu beschreiben, was ich glaube, verstanden zu haben.

Hampe führt in seinem Buch eine Art Feldzug gegen die „doktrinäre“ Philosophie. Er ist überzeugt davon, dass allgemeingültige Aussagen über die Welt (das „richtige“ Leben, usw.) nicht sinnvoll bzw. möglich sind. Stattdessen sollte die Menschen dazu ermutigt werden, auf der Basis ihrer individuellen Welterfahrung eigenes „kritisches Denken“ zu entwickeln. Nicht das Wiederkäuen philosophischer Lehrmeinungen in akademischen Zirkeln sei anzustreben, weil es für die individuelle und gesellschaftliche Weiterentwicklung ziemlich irrelevant sei. Ziel müsse es sein, gerade die subjektive Erschließung der Welt zu lernen und zu praktizieren – weil das die Grundlage für ein ein reiches und erfülltes Leben bilden könne.

Die Betonung des Subjektiven bringt Hampe immer wieder in Kontakt zur Sprachphilosophie, weil die denkende Begegnung mit der Welt über das Medium Sprache stattfindet. Er nimmt dabei immer wieder Bezug auf den wohl bekanntesten Sprachtheoretiker Wittgenstein, über dessen Modelle man nebenher eine Menge erfährt.
Auch bzgl. der Sprache hebt Hampe wieder die Grenzen allgemeiner Regeln und Gesetzmäßigkeiten hervor und beschreibt die Bedeutung individueller und subkultureller Entwicklungen.

Da für Hampe der subjektive Zugang zum allem so wichtig ist, schätzt er die Welterklärung durch Literatur außerordentlich. An einigen Punkte stellt er ausführlich dar, warum die dichterische Darstellung von persönlichen Entwicklungen und Lebensläufen für mehr Weltverständnis sorgen kann als abstrakte Theorien des Seins und des „guten Lebens“. (Was Hampe nicht davon abhält, das Ganze sprachlich höchst komplex zu formulieren).

Da Hampe einen aufklärerischen und emanzipatorischen Anspruch hat, beschäftigt er sich auch mit Bildung und Erziehung. Natürlich strebt er nicht die Vermittlung von kaltem, abgestandenem Wissen an, sondern die Befähigung zur eigenständigen Erkundung und Durchleuchtung subjektiver Lebensoptionen. Er outet sich dabei als großen Fan von Dewey und seiner Erziehungsutopie, in der sowohl die Fähigkeit zum kritischen Hinterfragen als auch die Fortentwicklung einer humanen Gemeinschaft im Fokus sind.

Natürlich finden sich in den (fast 400 extrem eng bedruckten) Seiten noch jede Menge anderer Gedanken und Exkurse. Selbst wenn ich alles verstanden hätte, wäre hier kein Raum, dies nur ansatzweise wiederzugeben.
Vielleicht ist ein erster kleiner Eindruck entstanden.

Ich kann dem Autor oder seinem Buch nicht vorwerfen, dass ich damit überfordert war. Das hätte auch bei einem medizinischen oder physikalischen Fachtext keinen Sinn. Ich kann nur einordnen und die Menschen warnen, die nicht zur verschworenen Gemeinschaft der Hardcore-Philosophen gehören.
Das habe ich hiermit getan

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