„Die Wildnis – Die Seele – Das Nichts“ von Michael Hampe

Philosophie kann eine ganz schön trockene Angelegenheit sein. Zum Glück gibt es ja seit einiger Zeit populäre Autoren wie Precht, die sich öffentlichkeitswirksam um die Verbindung zwischen philosophischen Grundfragen und unserer Lebenswirklichkeit verdient machen.

Michael Hampe, der z.Zt. in Zürich lehrt, schlägt in diesem Buch einen Mittelweg zwischen akademischer Philosophie und populärer Vermittlung ein. Er schreibt thematisch und sprachlich anspruchsvoller (und damit für eine begrenztere Zielgruppe), verlässt aber ebenfalls die engen Grenzen des üblichen wissenschaftlichen Diskurses.

Tatsächlich ist das Spannendste an diesem Buch die Einbettung der drei Essays (s. Titel) in eine geschickt und kreativ konstruierte Rahmenhandlung: Sie erzählt von einem Autoren (Aaron), der den Nachlass seines verstorbenen Freundes (Moritz) sichtet. Als (kritischer) Philosoph hat dieser außer diesen drei Texten auch Briefe und Tagebücher hinterlassen. Aaron lebt in einer dystopischen Welt. Seine Gesellschaft besteht aus einer Künstlichen Intelligenz (KI), mit der er über die Texte von Moritz munter diskutiert – angereichert durch Archivmaterial, das die KI passgenau aus ihrem unbegrenzten Speicher holt.

Letztlich führt das dazu, dass der Autor (Hampe) seine eigenen Texte nicht nur präsentieren, sondern auch gleich noch auf einer Meta-Ebene kommentieren und einordnen kann; das gibt ihnen noch eine zusätzliche Tiefe und Differenzierung. Tolle Idee.

Nun zu den Inhalten. Die drei Aufsätze, die den Kern des Buches bilden, sind keine leichte Kost.
Bei dem Essay über die Wildnis geht es um die Frage, warum es Menschen in die unberührte Natur treibt. Es wird die Frage gestellt, ob die Konfrontation mit der archaischen und ungezähmten Natur eine andere Form des Erlebens und der Selbstfindung möglich macht als die zivilisatorische Schutz- und Komfortzone.
In dem Aufsatz über die Seele werden verschiedene philosophische Konzepte einer persönlichen oder unpersönlichen Seelen-Definition diskutiert.
Unter der Überschrift Nichts geht es um die Frage, ob es allgemeinverbindliche Konzepte zu Fragen geben kann, die sich mit dem Sinn des Daseins und dem Abwägen zwischen leidvollen Erfahrungen und persönlichen Sinngebung  befassen. Bis hin zu der Frage, ob nicht „Nicht-Leben“ die bessere Variante sein könnte, um Leid zu verhindern.

Das Lesen dieses Buches vermittelt durchaus ein spezielles intellektuelles Vergnügen. Das Konzept, die Themen durch eine Rahmenhandlung aufzulockern und zu erweitern, kann als gelungen betrachtet werden. Vorgeführt wird eine besondere Form des Philosophierens, die systematische Darstellungen mit anderen Zugängen verbindet, die biografischer und erzählerischer Natur sind.

Insgesamt bleibt das Buch von Hampe ein Werk für bereits philosophie-affine Menschen und kann sicherlich nicht als niederschwelliger Einstieg in die zeitgemäße Philosophie betrachtet werden.

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