Diversität

Heute ist der offizielle Tag der Diversität. Damit wird auch ein Herzstück GRÜNER Politik thematisiert, denn keine andere relevante Partei verbindet wohl ihre eigene Identität in einem solchen Ausmaß an die positive Haltung zu Vielfalt und Buntheit in unserer Gesellschaft.
In den klassischen GRÜNEN Milieus stellt dieses Thema einen Selbstläufer dar. Der Kampf gegen Diskriminierungen wegen Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Gesundheitsstatus, Alter oder sexueller Orientierung verbindet Alt- und Neu-GRÜNE, Realos und Fundies.

Mit der aktuellen Öffnung zur bürgerlichen Mitte kommt allerdings an einigen Punkten etwas Sand ins Getriebe: Nicht jede/r klimaengagierte potentielle Wähler/in ist so eindeutig mit allen Facetten der Gendersprache verschwestert, der ein oder die andere findet die Differenzierung in mehr als vier oder fünf sexuell-identitäre Subgruppen ein wenig mühsam.

Ein echtes Problem lässt sich auch orten: Die GRÜNEN befürworten einen Gesetzentwurf, in dem für (auch für) Jugendliche die Schwelle zu einer Geschlechtsanpassung massiv gesenkt werden soll. Frei nach dem Motto: „Jeder soll die Geschlechtsidentität frei wählen, verändern und leben dürfen, die dem eigenen Wunsch und Empfinden entspricht.

Das ist sicher erstmal gut gemeint und würde für eine kleine Gruppe von hochbelasteten jungen Menschen eine Entlastung bringen. Und natürlich entspricht es dem modernen Zeitgeist, sich von möglichst vielen Einschränkungen zu befreien, die einer freien Entfaltung der Individualität im Wege stehen.
Also weg mit bürokratischen Hemmnissen, her mit der Selbstbestimmung!?

Man darf da anderer Meinung sein! Denn es geht nicht nur um die (nachvollziehbare) Empathie mit der Leidensgeschichte von jungen Menschen, die sich schon sehr früh und sehr eindeutig „falsch“ in ihrem Körper gefühlt haben. Es geht auch um einen Trend, um eine Mode, um einen Hype – rund um das Spiel mit sexueller Identität: da genügt ein Blick ins Internet. Und es geht auch um Menschen, die aus ganz anderen Gründen emotional beeinträchtigt sind und die in dem Transgender-Thema eine Art Anker zu finden meinen (man spreche mal mit – männlichen oder weiblichen – Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten).
Und ein bisschen geht es vielleicht auch um eine Machbarkeits-Ideologie, die in anderen Bereichen durchaus schon kritisch reflektiert wird.

Da sowohl hormonelle, als auch erst recht operative Eingriffe in die biologischen Grundlagen der Geschlechtlichkeit ganz bestimmt nicht mit Piercing, Tattoos oder Schönheitsoperationen zu vergleichen sind, verlangt dieses Thema Vorsicht, fachliches Abwägen und Differenziertheit. Hier kann und darf es nicht darum gehen, die Schwellen für entsprechende Behandlungen so niedrig wie möglich zu machen – selbst wenn das in der lauten bunt-diversen Szene noch so gut ankommen sollte.

Ich erwarte von „meiner“ GRÜNEN Partei verantwortungsvolle Entscheidungen auch bei solchen Themen, die so eindeutig positiv besetzt sind wie die Diversität.
Sicher nicht nur aus wahltaktischen, sondern aus inhaltlichen Gründen.


Fairerweise ist anzumerken, dass es in dem aktuellen Gesetzentwurf vorrangig um die rechtlichen Aspekte der Bestimmung des eigenen Geschlechts (inkl. des Vornames) geht.
Trotzdem heißt es dort auch:
Das Recht auf freie Entwicklung der Persönlichkeit entsprechend der Geschlechtsidentität umfasst das Recht, über die Durchführung medizinischer Maßnahmen zur Modifizierung des eigenen Körpers im Hinblick auf Erscheinung und körperliche Funktionen bei vollumfassender vorheriger medizinischer Aufklärung und Einwilligungsfähigkeit selbstbestimmt zu entscheiden.


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