„Ein Mann der Tat“ von Richard RUSSO

Ja, dieser Mann kann Romane erzählen. Mir hat er das schon in einem anderen Buch bewiesen. RUSSO nimmt sich Zeit, Figuren auszugestalten und hat ein feines Gefühl für alltägliche Situationen und Begegnungen. Er hat ein großes Herz für leicht schräge Typen: Seine Protagonisten sind keine Helden, sie tragen Brüche und Scheiterungserfahrungen in sich. Sie kämpfen eher um das kleine Glück und tragen dabei einige Hypotheken aus Kindheit und Biografie mit sich herum.

So weit, so gut.
Trotzdem hat mich das Buch über eine Kleinstadt in den USA – die genauso ein Looser-Image hat wie die meisten beschriebenen Figuren – nicht überzeugt.

RUSSO baut den Kern seiner Geschichte auf einer gescheiterten Ehe auf. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Problematisch finde ich aber, dass bis zum Ende des Buches nicht deutlich wird, warum denn nun diese Frau diesen – so ganz offensichtlich nicht zu ihr passenden – Mann geheiratet hat. Es ist irgendwie unbefriedigend, einfach einem – geradezu notwendigerweise zum Scheitern verurteilten – Ehedrama zu folgen, wenn man die ganze Zeit denkt: „Warum haben die es nicht von vorneherein einfach gelassen?!“

Ein zweites Ärgernis: Natürlich gibt es böse Menschen; deshalb dürfen auch Figuren in Romanen böse sein. Trotzdem verbreitet es ein wenig Langeweile, wenn sich herausstellt, dass der Böse wirklich böse ist und bleibt und dann auch noch böse Dinge tut…

Das dann eine „schwierige“ Liebesgeschichte tatsächlich noch gut auszugehen scheint, fällt kaum noch ins Gewicht. Das sei den Beteiligten und ihrem literarischen Schöpfer gegönnt.

Insgesamt hat ein sehr fähiger Autor einen nur mittelmäßigen Roman geschrieben.
Sowas passiert…

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