„Jahre wie Schnee“ von Volker FERKAU

Bewertung: 2.5 von 5.

Wäre ich in einer Buchhandlung auf dieses Cover gestoßen, hätte ich es ganz sicher keines zweiten Blickes gewürdigt. Doch wenn eine gute Freundin mich darauf hinweist, dass ein Jugend-Idol (Pete Townshend von The Who) in diesem Buch eine Rolle spielt, dann gibt es kein Halten mehr. Trotz ihrer fürsorglichen Warnung.

FERKAU hat eine Familiensaga vorgelegt, in dessen Handlungsverlauf die flügge werdende Tochter einer Verlegerfamilie ein paar Wochen im Hippieland Kalifornien verbringt. Sie lernt dort die Alternativkultur, das Leben und die Liebe kennen – und kann all diese Erfahrungen nutzen, um eine Reifesprung zur erwachsenen Frau zu vollziehen.

Die eigentliche Handlung vollzieht sich allerdings in Deutschland, ebenfalls in den 60iger bzw. 70iger Jahren. Es geht um verdrängte Kriegsfolgen, um Familiengeheimnisse, um die Welt der Nachrichten-Magazine und um Generationskonflikte. Ein bisschen Krimi gehört dazu, ein bisschen Politik und überhaupt von allem etwas.
Der Autor lässt nichts unversucht, möglichst viele zeitgeisttypische Themen und Ereignisse in seinem Plot unterzubringen. Genau das will er wohl seinen Lerser/innen bieten: wohlige Erinnerungen an die Zeit der eigenen Jugend.

Viellicht steckt darin auch eine große Schwäche des Romans: Er will es irgendwie allen recht machen. Er spielt mit allen Genres, will den Mainstream genauso bedienen wie die aufbegehrende Protestkultur. Das führt dann allerdings dazu, dass sich wohl niemand so richtig zu Hause fühlt, in dieser Romanwelt der Familie Mayberg. Den Who-Fans ist die Geschichte mit Sicherheit irgendwann viel zu kitschig; die Freunde einer seichten Liebesgeschichte werden mit Pete nicht viel anfangen können und die Krimifans werden dann doch Spannung und Action vermissen.

Vielleicht kommen noch am ehesten die Freunde von familiären Konfliktlagen und den begleitenden ambivalenten Emotionen auf ihre Kosten. Allerdings muss man schon eine gewisse Immunität gegenüber Klischees und vorhersagbaren Dynamiken mitbringen.

Also: Im besten Fall leichte Unterhaltung. Um mich für den Nachfolge-Roman (den gibt es wirklich) zu motivieren, müsste schon ein bekannter Rockstar zur Hauptfigur avancieren.
Ich glaube allerdings kaum, dass Herr Townshend (oder ein gleichwertiger Ersatz) dazu bereit wäre…

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