„Leckerland ist abgebrannt“ von Manfred KRIENER

Bewertung: 4 von 5.

Ein Buch über Ernährung. Das liegt ohne Zweifel im Trend.
Besonders gefragt sind im Moment Informationen über gesundheitlich und ökologische Aspekte unserer Nahrungsmittel. Die eine Zeitlang inflationären Ratgeber über irgendwelche ultimativen Wunder-Diäten sind (hoffentlich) ein wenig außer Mode gekommen.

KRIENER legt einen Text vor, der eine Art Meta-Perspektive einnimmt: Hier geht es weder um Gesundheits-Tipps noch um Rezept-Anregungen, auch nicht um direkte Vergleiche von CO2-Fußabdrücken. Aus einer journalistischen Distanz heraus hat der Autor die wesentlichen Trends unserer Ernährungskultur beobachtet und analysiert. Er spricht über moderne Esskultur (Fastfood & Co), befasst sich mit der Ausbreitung vegetarischer und veganer Ernährung, schaut sich gründlich den Hotspot „Fleisch“ (und seine Alternative) an, um dann auch den Fisch, den Zucker und den Superfood-Hype kritisch unter die Lupe zu nehmen. Auch die Bio-Branche bekommt ihr Fett weg (Achtung: Wortspiel).

Der Autor liefert seriös recherchierte und gut aufbereitete Aufklärung, mit einer Menge Hintergrundinformation. Es gibt jede Menge Fakten und Daten, aber diese werden durch sinnvolle und nachvollziehbare Einordnung und Bewertung für den Leser tatsächlich auch nutzbar.
Man bekommt dabei nicht den Eindruck, dass KRIENER einer bestimmten Ernährungs-Ideologie verschrieben ist; man fühlt sich weder gedrängt noch missioniert. Der Autor guckt gerne genauer hin, gerne auch hinter die Kulissen. Verpflichtet fühlt er sich dabei ganz eindeutig dem kritischen Verbraucher – und ganz sicherlich nicht der Nahrungsmittelindustrie, deren Tricks er immer wieder bloßlegt.
Zu dieser Selbstverpflichtung zur Aufklärung gehört dann logischerweise auch ein kritischer Blick auf den wachsenden Markt der Bio-Nahrungsmittel. Auch hier ist nicht alles Gold was glänzt.

Als ein kleiner „Fremdkörper“ erscheint vielleicht auf den ersten Blick das am Ende des Buches abgedruckte Gespräch mit einem Fachmann (und Aktivisten) für globale Ernährungsfragen. Hier wird eine noch grundsätzlichere Perspektive eingenommen, die notwendiger Weise auch politisch sein muss.
Aus meiner Sicht stellt das eine sinnvolle Ergänzung dar, die durch die Art der Vermittlung (Interview) auch klar von dem fach-journalistischen Teil abgegrenzt ist.

An diesem Buch ist nichts auszusetzen. Es informiert mit einigem Tiefgang über ein gesellschaftlich relevantes und aktuelles Thema. Es liest sich angenehm, ist gut strukturiert und lässt den Leser mit dem guten Gefühl zurück, nicht nur Einzelinformationen, sondern auch Zusammenhänge aufgenommen zu haben.
Das gesonderte Kapitel über sein persönliches Hobby-Thema „Wein“ hätte er sich allerdings gerne sparen können. Aber gut, es sei ihm gegönnt…

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