„Mehr Zeitwohlstand!“ von Jürgen P. RINDERSPACHER

Also ein Buch über das Thema „Zeitmanagement“?
Nein, das ist es zum Glück nicht. Es geht nicht um Effektivität oder Effizienz.
Der Autor schlägt den Bogen weiter, viel weiter…

Es wäre wohl kaum übertrieben festzustellen, dass hier – in diesem unauffälligen Taschenbuch – eine Betrachtung über das gesamte moderne Leben angeboten wird.
Das ist möglich, weil „Zeit“ ein so grundsätzliches Phänomen ist, dass es schlichtweg alle Bereiche und Aspekte unseres Alltagslebens irgendwie berührt.
Probiere es mal aus: Denke an ein beliebiges Thema und dann frage dich, welchen Bezug es zum Gegenstand „Zeit“ hat.
Man findet immer was!
Genauso ging es offenbar Rinderspacher (der als „Zeitforscher“ vorgestellt wird.
Und er nutzt diesen Umstand hemmungslos aus.

Letztlich sind es 35 Stichworte (= Kapitelüberschriften) geworden (von A wie Arbeitszeit bis Z wie Zweierbeziehung). Es hätten auch 21 oder 76 Stichworte sein können, weil …. (ja, alles hängt irgendwie auch mit der Zeit zusammen).

Der Autor ist ein sympathischer Zeitgenosse (Wortspiel!). Ein bisschen wirkt seine Welterklärung wie die Ausführungen eines netten Onkels, der einfach viel weiß und gerne davon erzählt. Dabei erklärt er – so ganz nebenbei – auch viele andere nützliche Dinge. Über die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, über Wirtschaft, Erziehung, Familienleben, Mobilität, Stress, und …
Vermutlich wäre es leichter, aufzuzählen, was der Autor auslässt (mir ist auf Anheib nichts eingefallen).

Vielleicht ist es schon deutlich geworden: Es handelt sich nicht um ein Fachbuch, es ist im lehrreichen Plauderton geschrieben. Und – um es nicht zu vergessen – es geht an keiner Stelle um das physikalische Phänomen Zeit, dessen Verständnis oder Messung.

Der Autor hat aber durchaus ein Anliegen, eine Message; auch die ist sympathisch.
Er möchte uns, den Lesern, den Menschen, einen bewussteren und einen wohltuenderen Umgang mit der Zeit ans Herz legen. Das macht er eher leise und indirekt; ein freundlicher Onkel ist ja kein Demagoge.

Das Buch eignet sich als Nachttisch-Lektüre; man kann es prima häppchenweise lesen. Für Menschen, die schon viel über alles mögliche wissen, ist es vielleicht ein wenig seicht, ein bisschen redundant.
Geradezu genervt haben mich die unendlich vielen Querverweise im Text, mit deren Hilfe der Autor wohl unter Beweis stellen wollte, das in seinem Buch irgendwie alles mit allem zusammenhängt. Hätte ich auch so gemerkt!

Bilanz: ein schönes Geschenk für Menschen, die interessiert an der Welt sind, sich gerne über die Zeit Gedanken machen und nicht sowieso schon alles wissen.
Anregend, ohne aufregend zu sein.

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