„Über Leben – Zukunftsfrage Artensterben“ von Dirk STEFFENS und Fritz HABEKUSS

Bewertung: 5 von 5.

Ein weiteres Nachhaltigkeits-Buch. Muss man auch das noch lesen?
Meine Antwort: Ja – definitiv!

Das Autoren-Duo widmet sich in diesem Buch zwar schwerpunktmäßig dem Artensterben (also der Biodiversität), legt aber letztlich eine Gesamtschau der ökologischen Krise(n) vor, die mittelfristig unser Leben auf diesem Planeten bedrohen.

Nach einem eher persönlich-emotionalen Einstieg zum Naturverhältnis malen die Autoren in weiteren sieben Kapiteln ein facetten- und faktenreiches Bild der Schäden, die durch menschliche Eingriffe in die ökologischen Kreisläufe bereits entstanden sind bzw. sehr konkret drohen. Während insbesondere der Klimawandel, aber auch die Belastung von Boden und Meeren (nicht nur durch Vermüllung) den meisten Menschen inzwischen sehr präsent sind, wird der Verlust der Artenvielfalt oft nur als ein Zusatzproblem diskutiert.

Die kaum zu überschätzende Leistung der Autoren ist es, eine erweiterte – und damit viel realistischere – Perspektive auf die Problematik des Artensterbens zu eröffnen. Sie machen unmittelbar nachvollziehbar, dass es nur am Rande darum geht, das Verschwinden einzelner Arten (seien es auch noch so viele oder besonders geschätzte) zu bedauern. Es geht um die Zusammenspiel der Ökosysteme insgesamt!
An vielen eindrücklichen Beispielen wird verdeutlicht, dass der Verlust einzelner Bausteine nicht nur eine hässliche Lücke entstehen lässt, sondern die Statik des gesamten planetaren Öko-Gebäudes angreifen und letztlich auch zerstören kann – wenn es ungünstig läuft bis zum Einsturz. Wobei dieser System-Crash nicht bedeuten würde, dass die Natur vernichtet wäre – wohl aber die längerfristigen Lebensbedingungen für uns Menschen.

Schon am menschengemachten Klimawandel kann längst kein denkender Homo
Sapiens mehr zweifeln. Für die Einflüsse unseres Lebens und Wirtschaftsstils auf den Verlust der Biodiversität legen die Autoren eine überwältigende Anzahl von Belegen vor. Dabei wird kein relevantes Thema ausgelassen: Massentierhaltung, industrielle Landwirtschaft, Überfischung, Vermüllung, Luft- und Wasserverschmutzung, Waldvernichtung, Ressourcenverschwendung, usw.

Das Buch bleibt nicht bei der Schilderung des Ist-Zustandes stehen. Thema wird auch, welche Wege aus der sich abzeichnenden Katastrophe hinausführen könnten. Übrig bleibt also keine resignative Ratlosigkeit, sondern der Apell, sowohl auf individueller als auch auf politischer Ebene aktiv zu werden.

STEFFES und HABEKUSS verwöhnen ihre Leser/innen mit einem sehr angenehmen und eingängigen Schreibstil und mit einem didaktischen Niveau, das wirklich keine Wünsche offen lässt. Ihnen gelingt es, die schwere und bedrohliche Thematik auf eine Weise zu vermitteln, die an keine Stelle als trocken oder anstrengend erlebt wird. Wer kein wissenschaftliches Fachbuch erwartet, wird mit dieser Publikation bestens bedient.
Wissenschafts-Journalismus der besten Art!

Der Kampf gegen das Artensterben ist kein Thema für romantische Natur-Nostalgiker – das wird man nach dem Lesen dieses Buches ganz bestimmt nicht mehr vergessen!

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