„Unsere Welt neu denken“ von Maja GÖPEL

Dies ist ein zugleich überflüssiges als auch sehr nützliches Buch.

Als überflüssig könnte es betrachtet werden, weil die von GÖPEL dargelegten Tatsachen, Schlussfolgerungen und Perspektiven auch schon in diversen anderen Nachhaltigkeits-Publikationen der letzten Jahren (Harari, Yogeshwar, Lesch, Welzer, Blom, Al Gore, Schneidewind, usw.) zu finden waren.
Absolut nützlich und wertvoll sind allerdings die in diesem Buch angebotene Themenauswahl, die Strukturierung und die Darstellungsform.

GÖPEL hat kein Klima oder Umweltbuch geschrieben. Sie nimmt sich die großen Zusammenhänge vor und geht dabei – realistischer Weise – schwerpunktmäßig auf unsere Art des Wirtschaftens ein. Eine nachhaltige Welt muss sich – so legt die Autorin überzeugend dar – von der bisherigen Grundlogik wirtschaftlichen Denkens und Handelns lösen, muss sowohl den Ressourcenverbrauch als auch den CO2-Fußabdruck einpreisen und stärker am Gemeinwohl und an globaler Gerechtigkeit (statt ausschließlich am privaten Gewinn) orientiert sein.

Das hört sich alles nach altbekannten und damit schnell zur Seite schiebbaren Schlagworten an – alles schon gehört, alles irgendwie richtig und gut gemeint – aber auch unrealistisch, und naiv – eben Gutmenschen-Kram…

Was GÖPEL in gut lesbarer und unaufgeregter Sprache versucht, ist die vermeintlichen Floskeln über die Transformation in eine „bessere“ Welt zu unterfüttern, mit Daten, mit Beispielen, mit Modellversuchen und mit Visionen.
Ihre Grundbotschaft ist dabei: Auch die jetzige – scheinbar so selbstverständliche – Realität ist gemacht, geschaffen durch Entscheidungen der letzten wenigen Jahrzehnte, auf dem Hintergrund von (zu einem großen Teil) unhaltbarer Annahmen (z.B. über das Wachstum), im Interesse einer kleinen Gruppe von sehr privilegierten Menschen, Konzernen und Staaten.

In gewisser Weise hat die Autorin ein Art kleines Kompendium für die Nachhaltigkeits-Wende geschrieben, einen gedanklichen Überbau für all die Maßnahmen und Entwicklungen, die dringend eingleitet oder verstärkt werden müssten.
Anders ausgedrückt: Wer den Argumentationslinien und den Werte-Prioritäten dieses Textes zustimmen kann, hat zumindest schon mal die Grundsatzentscheidung für eine nachhaltige Welt getroffen. Von da aus kann man noch über Einzelschritte und das Tempo streiten, aber nicht mehr über die Richtung. Man sitzt im Boot!
Man kann sich selbst testen, ob und an welchen Stellen man noch inneren Widerstand spürt in Bezug auf die langfristig weitreichenden Schlussfolgerungen. Wo steigt man aus, weil man sich vielleicht doch vor drohendem Verzicht zurückschreckt? Oder sind es nur noch Gewohnheiten und Bequemlichkeit, die einen am beherzteren Handeln hindern?

Die größte Überschneidung hat das Buch von GÖPEL vermutlich mit dem Buch „Alles könnte anders sein„. Aber während WELZER gerne zuspitzt und provoziert, bleibt GÖPEL sachlich und moderat. Sie möchte niemanden verschrecken, sondern Mitstreiter gewinnen.

Das Buch bietet einen niederschwelligen Einstieg in die Nachhaltigkeits-Debatte, es richtet sich an interessierte Laien und nicht an das gut informierte Fachpublikum.
Für viele, die diese Rezension lesen, birgt es vermutlich wenig Neuigkeitswert.
Aber es eignet sich ganz ohne Zweifel als ideales Geschenk für Menschen, die dem Thema gegenüber offen sind und einen leichten und zugleich niveauvollen Zugang suchen.
Dieses Buch schafft keine Barrieren sondern hilft, diese beiseite zu räumen.
Mit Menschen, die dieses Buch gelesen haben, kann man mit Sicherheit sehr fruchtbare Diskussionen führen und mit ihnen zusammen „unsere Welt neu denken“.

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