Wie weit kommt man mit Naturwissenschaft?

Das ist ein ungewöhnlicher Titel für einen Blogbeitrag.
Es passiert auch nicht häufig, dass ich – statt selbst meine Meinung hinauszuposaunen – auf einen externen Beitrag verweise.
Ich will kurz erläutern, warum ich das heute tue.

Das Anschauen der hier empfohlenen TV-Konserve (SRF Sternstunde Philosophie) hat in der letzten Stunde intensive Emotionen bei mir ausgelöst. Ich hatte das Gefühl, dass kaum ein anderer medialer Beitrag jemals bestimmte für mich bedeutsame Unterschiede zwischen gegensätzlichen Weltbildern so klar auf den Punkt gebracht hat.
Ich habe geradezu mitgefiebert, wie der eingeladener Astro-Physiker MOORE mit den immer neuen Versuchen der Interviewerin umgeht: Mit Hilfe von drängenden Fragen und Apellen will sie nämlich unbedingt erreichen, dass MOORE (endlich) die Notwendigkeit einräumt, seine naturwissenschaftlichen Weltsicht um eine andere (religiöse, transzendente, spirituelle) Dimension erweitern zu müssen.

Für mich war es ein absolutes Vergnügen, dabei zuzuschauen, wie unglaublich gelassen und wohlwollend – und gleichzeitig so völlig eindeutig und unmissverständlich – der Wissenschaftler reagiert.
Man erlebt so geradezu ein herausragendes Modell für eine deeskalierende Diskussion – die genauso gut in einem aggressiven oder arroganten Schlagabtausch hätte enden können.
Wirklich – auch auf dieser Ebene – absolut sehenswert!

Selten habe ich mich in meinem Denken so verstanden gefühlt (bzw. wiedergefunden) wie in den Äußerungen von MOORE. Gleichzeitig bewundere ich sein „in sich Ruhen“ – auch an Stellen, wo ich mich dabei erwischt habe, lautstark und emotional auf die Fragen von Frau Bleisch zu reagieren („weil sie es immer noch nicht kapiert hatte…“).
Noch „schlimmer“ als die Hartnäckigkeit der Interviewerin fand ich die – als Verstärkung beigebrachten – Äußerungen eines „Naturphilosophen“ (Mutschler). Klarer kann man zwei Zugänge zur Welt und zur Erkenntnis kaum gegeneinanderstellen: Wenn man die Welt allen Ernstes damit zu erklären sucht, dass Menschen bestimmte emotionale Bedürfnisse haben (z.B. nach Gerechtigkeit), dann sollte man besser nicht mit einem Astro-Physiker diskutieren (der auch an dieser Stelle bewundernswert ruhig bleibt).

Wer also mal einen wirklich sympathischen Naturwissenschaftler auf die Fragen nach Sinn, Gott, Tod, Moral, Beginn und Ende des Universums antworten sehen möchte, der/die sei eingeladen, mal diese Stunde zu investieren.
Dass jemand das Motiv haben könnte, einmal aus einem anderen Munde sehr konkret zu hören, was ich über die Welt denke, wage ich nicht zu hoffen…

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