04.01.2020

Ich verstehe die Franzosen nicht.
Gemeint sind die Franzosen, die jetzt schon seit Wochen ihr Land lahmzulegen versuchen im Kampf gegen bestimmte Sozialreformen, insbesondere gegen Anpassungen im Rentensystem. Es geht um Veränderungen, die bestimmte – im Prinzip willkürliche – Privilegien abbauen, eine gewisse Angleichung an europäische Standards und eine langfristige Stabilität der Finanzierung sichern sollen.
Alles logisch, grundvernünftig und für jeden Außenstehenden nachvollziehbar.
Das Ganze wird angestoßen durch einen mutigen jungen Präsidenten, den die gleichen Franzosen (viele von Ihnen) vor wenigen Jahren als Hoffnungsträger gewählt haben; an verkrusteten politischen und Parteistrukturen vorbei. Und die ihm somit letztlich den – in seinem Programm dargestellten – Auftrag gegeben haben, im erstarrten Frankreich etwas in Bewegung zu setzen.

Warum – so frage ich mich – sind so viele intelligente und gebildete Menschen unfähig oder nicht bereit, die für einen solchen Weg auch einen gewissen Preis zu zahlen? Warum wird die Politik, der Staat in dem Moment so unerbittlich zum Feind erklärt, wenn die Korrekturen auch eigene Privilegien betreffen? Warum ist es so leicht, gegen begründbare Korrekturen eine Protest- und Kampfstimmung zu generieren, als ob es um die Verteidigung der Grundrechte gegenüber einem Despoten ginge? Warum lassen sich so viele Menschen so gerne dafür mobilisieren, irgendwie gegen etwas „Unsoziales“ zu sein, das sich beim näheren Hinsehen überwiegend als unlogisches Sonderrecht zeigt?

Natürlich neigen alle Menschen in einem gewissen Umfang zum Egoismus.
Aber die Franzosen zelebrieren das Dagegensein auf eine besonders intensive Art.
So ganz verstehe ich das nicht…

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