09.04.2020

Ostern

Ich bin ein sehr säkularer Mensch: Ich habe nichts geben Religionen oder Gläubigkeit; ich gehe nur recht selbstverständlich davon aus, dass die gelebte Religiosität eher im Privaten stattfindet – und eben nicht im öffentlichen Raum. Ganz einfach deshalb, weil wir einen weltanschaulich „neutrales“ Gemeinwesen sind und die Zugehörigkeit zu christlichen Religionsgemeinschaften nicht (mehr) die selbstverständliche Normalität darstellt.

Das spricht natürlich nicht dagegen, dass an den höchsten christlichen Feiertagen auch in den normalen Nachrichtensendungen über die entsprechenden Rituale berichtet wird. Alles kein Problem.

Was mich irritiert: Dass ein – der Liberalität verpflichtetes – großes Wochenblatt wie Die ZEIT vor Ostern (genauso wie vor einigen Monaten anlässlich des Weihnachtsfestes) in Teilen zu einer Art Besinnungsblatt wird und so tut, als ob religiös-spirituelle Betrachtungen ein Teil des journalistischen Auftrages und Selbstverständnisses wären. Als würden sich die Leser – jeweils passend zu den Feiertagen – plötzlich an ihr christliches Erbe erinnern und in den Schoß von Mutter Kirche zurückkehren wollen.

Ich will das nicht zu groß machen; es ist nur eine Beobachtung (es betrifft ja auch nur einen kleinen Teil der Artikel).
Für mich macht es aber einfach einen Unterschied, ob über Kirche und Religion berichtet wird, oder ob der Leser direkt als „bekennender Christ“ angesprochen wird.
Das kann man ja machen, in einer konfessionellen Zeitung.
In der ZEIT hätte ich es lieber etwas neutraler, weniger vereinnahmend.

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