14.04.2020

Hochkant-Videos

Darf man in so ernsten Zeiten über die Absurditäten des Alltags schreiben?
Ich finde: ja!

Vor etwa einem Jahr habe ich so etwas wie eine Glosse über das Phänomen „Hochkant-Videos“ geschrieben. Zu meinen damaligen Betrachtungen kann ich immer noch stehen.

Inzwischen hat sich der Irrwitz weiter ausgebreitet: Selbst bei Konzerten (ja, so etwas gab es vor den Corona-Zeiten) stehen inzwischen Menschen vor einer 80m breiten Bühne und schwenken mit ihrem Hochkant-Handy hin und her. Das Bild besteht hauptsächlich aus Publikum und der Hallendecke – und trotzdem kommen sie nicht auf die Idee, das Handy zu drehen, um sich damit auf natürliche Art dem Aufnahmeobjekt anzupassen.

Der letzte Trend: In der neuen „heute-App“ gibt es einen extra Bereich für Hochkant-Videos. Damit passt sich selbst das klassische TV-Medium den Smartphone-Sehgewohnheiten an. Das nennt man wohl „totale Kapitulation“.

Ich schlage als nächsten Schritt vor, auch die Fernseh-Bildschirme und Kino-Leinwände auf Hochkant umzubauen.

Vielleicht erbarmt sich nach ein paar 100 000 Jahren auch die Evolution und ordnet endlich unsere beiden Augen übereinander – statt wie bisher so altmodisch nebeneinander – an.

Dann wäre wieder alles in bester Ordnung!

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2 Antworten auf „14.04.2020“

  1. „Neue“ Medien fördern neue Nutzungsgewohnheiten und mit ihnen gehen neue Aufnahmetechniken einher. Für die werberelevante Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren wird schon mal die Perspektive gewechselt. Ganze Redaktionen haben erlernt umzudenken und Content gleichzeitig auch für Smartphone Screens, insbesondere für die Kanäle Snapchat, Instagram sowie TikTok im Portait Modus zu produzieren. Wer im Büro effizient arbeiten will dreht einen der beiden Bildschirme hochkant (für Textbearbeitung, Websites und Programmcode). Auch der Screenspezialist Samsung entwickelt ein neues TV Modell “Smartphone first“: https://www.businessinsider.com/samsung-launches-new-tv-rotates-like-smartphone-ces-2020-1

    1. Danke für die fachkundige und informative Aufklärung.
      Mein Schwerpunkt ist aber eher die Bewertung. Ist es denn „sinnvoll“ und „sachgerecht“, ein biologisch vorgeprägtes visuelles Wahrnehmungssystem und die darauf basierenden Technologien einer Gebrauchslogik anzupassen, die nur darauf fußt, dass die Leute zu bequem sind, ihr Handy mal um 90 Grad zu drehen?

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