Mit wunden Fingerkuppen

sitze ich seit vier Tagen vor meinem Smartphone und warte auf die erlösende (Zwischen-)Nachricht, dass zumindest zahlenmäßig eine Klarheit erreicht wurde.
So schlimm war es noch nie…

Selbst ein Bundeskanzler Merz würde mich nicht so bedrohen wie vier weitere Jahre Trump. Ich will es einfach nicht! Es geht irgendwie um die ganze Welt, es geht aber auch um vier Jahre meines Restlebens.
Ich möchte in dieser Zeit Zeuge einer – zumindest in Grundzügen – positiven Entwicklung sein: es soll um Anstand, Kooperation und Nachhaltigkeit gehen.
Es darf einfach nicht sein, dass wegen ein paar Zehntausend Trump-Fans zu viel die globaler Politik noch jahrelang durch Machogehabe, Egoismus und Ignoranz im wichtigsten Land des Westens geprägt wird.

Selbst wenn die Grundzüge der amerikanischen Politik und Wirtschaft sicher auch unter Biden nicht verändert werden: Es darf einfach nicht das Signal an die Welt geben, dass sich diese Form von Charakterlosigkeit und Selbstbezogenheit als erfolgreiches Modell der „demokratischen“ Welt stabilisiert.

Ich möchte, dass die Putins, Erdogans, Bolsonaros, Orbás und Jingpins in den nächsten Jahren nicht weiter entspannt mit dem Finger auf die USA und den Westen zeigen können.

Es ist absolut bedeutsam, ob sich die USA zum Kampf gegen die drohende (schon stattfindende) Klimakatastrophe bekennt.

Daher werde ich heute so oft und so lange über mein Smartphone-Display wischen, bis die Biden-Zahl die 270 erreicht bzw. überschritten hat. Und dann will ich sie weiter Richtung 300 wachsen sehen – aber das brauche ich dann nicht mehr minütlich zu verfolgen…

Bitte schont meine Fingerkuppen!

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The Day Before

Die meisten historischen Momente bekommen ihre Wertung nachträglich zugeschrieben – weil sie einfach passieren (z.B. der Mauerfall oder 9/11).
Die gerade stattfindende Wahl in den USA ist ein historisches Ereignis mit Ansage: Das Ergebnis kann das Schicksal unserer und der nächsten Generation entscheidend beeinflussen.

Ist das nicht eine Übertreibung? Ich glaube nicht!

Eine Wiederwahl Trumps würde die Chancen schwächen, der drohenden Klimakatastrophe entgegenzutreten. Sie würde das politische und moralische Klima in Amerika und weltweit negativ beeinflussen und internationale Kooperation erschweren. Sie wäre ein Triumph für Egoismus und Charakterlosigkeit, für Lügen, Inkompetenz und Wissenschaftsfeindlichkeit.
Dieser Mann könnte in den nächsten vier Jahren Entscheidungen fällen und verhindern, die viele Millionen anderer Menschen mit noch so vielen Bemühungen nicht ausgleichen könnten.

Es ist nicht auszuschließen, dass die USA in den nächsten Tagen und Wochen in ein Chaos von Konflikt und Gewalt geraten. Damit wäre niemandem gedient, aber vielen geschadet. Auch wenn man Amerika nicht besonders mag – man sollte diesem Land eine solche Situation nicht wünschen.

Es gibt nur eine Variante, die so etwas wie eine echte Trendwende zum Positiven beinhalten könnte: Die Demokraten brauchen einen glasklaren Sieg – so eindeutig, dass der Schock darüber die aufgeheizten Trump-Fanatiker zum Schweigen bringt.

Ich bin kein naiver Biden-Fan. Es ist traurig, dass dieses große Land keine andere Führungspersönlichkeit zu bieten hat. Auch ich weiß, dass die Probleme Amerikas über die Person Trump hinausreichen. Aber im Moment kann man nur hoffen, dass es einen ersten Schritt in eine positive Richtung gibt.

Es ist kein theoretisches Interesse, mit dem ich dem nächsten Morgen entgegensehe. Ich fühle mich persönlich beteiligt. Vermutlich werde ich in der Nacht irgendwann Smartphone oder TV einschalten.
Ein bisschen Angst habe ich vor diesem Moment…

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Sorgen um Trump

Ja, ich mache mir ernsthafte Sorgen um Trump. Ich würde es ihm zuliebe sehr bedauern, wenn der Covid 19-Virus bei ihm nur einen sehr milden Krankheitsverlauf auslösen würde.

Nicht etwa, weil ich ihm eine Strafe oder sonst was Böses als Vergeltung für seine Ignoranz und folgenreiche Fehlentscheidungen an den Hals („in den Hals“) wünsche.
Sondern weil eine so rasche Genesung ihn um wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse bringen würde.
Er würde vielleicht nicht lernen, dass Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer sozialen Stellung – verwundbare Wesen sind. Dass Gesundheit wichtiger ist als Reichtum oder wirtschaftlicher Erfolg. Dass es doch ziemlich viel Sinn macht, wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Dass die Verachtung von Schwäche, Misserfolg und Hilfsbedürftigkeit nur so lange trägt, wie man sich selbst als unverwundbar wähnt.

Ich gönne diesem Menschen in den nächsten Tagen einige intensive Erfahrungen. Vielleicht lassen sie ihn als Persönlichkeit ein wenig reifen. Möglicherweise hilft ihm das dabei, die Zeit nach seiner – durch die Wahl im November hoffentlich eindeutig beendete – Präsidentschaft irgendwie sinnvoll zu bewältigen.

Noch wichtiger als die Auswirkung der Infektion auf die Psyche von Trump sind allerdings die Folgen für das Wahlergebnis. Ein sehr schwerer Verlauf könnte einen Mitleidseffekt auslösen – das kann die Welt nicht gebrauchen.
Ich wünsche Trump auch nicht den Tod. Das wäre mit meinen Moralbegriffen nicht vereinbar. Er soll die Wahl mit einem super-klaren Ergebnis verlieren. Und soll so die Chance haben, auch aus diesem – hoffentlich grandiosen – Scheitern etwas zu lernen.


Die Chancen, dass er dies auch kann, schätze ich als sehr gering ein.

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Darf man die Serben nicht mögen?

Meine Betrachtung kommt ein paar Tage zu spät. Angesichts der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge erscheint mir das akzeptabel.

Es gab mal wieder einen dieser Gedenktage. Es ging um die Greueltaten serbischer Milizen an tausenden Bosnischen Männern unter den Augen von UNO-Soldaten in Srebrenica vor 25 Jahren.

Es geht mir nicht um die Vergangenheit. Ich spüre Unverständnis und Befremden gegenüber der Unfähigkeit „der Serben“, zu bedauern, zu trauern, zu bereuen oder sonst auf irgendeine Weise Verantwortung zu übernehmen. Statt dessen fanden aufgeheizte und gewalttätige Demonstrationen gegen die eigene Regierung statt, die (endlich) nach politischen Lösungen der Kosovo-Frage sucht.

Ich weiß: Es gibt keinen „Volkscharakter“. Es gibt mit Sicherheit jede Menge vernünftige, friedfertige und liebenswerte Menschen in Serbien. Vielleicht zeichnet die Berichterstattung über dieses Land auch ein einseitiges Bild. Kann alles sein.

Was ich sagen kann: Alles, was bei mir in den letzten Jahrzehnten über die Mentalität und die politische Kultur in diesem Land angekommen ist, wirkt auf mich zutiefst unsympathisch (nationalistisch, militaristisch, dogmatisch). Und deshalb spüre ich Vorbehalte und gehe auf Distanz.

Ich mag wohl die Serben nicht besonders. So richtig schlimm finde ich das nicht. Für mich ist es auch okay, wenn jemand „die Deutschen“ nicht mag.

Serbien soll in die EU aufgenommen werden. Manche begründen das damit, dass man dieses „schwierige“ Land dann besser „einbinden“ könne. Ich bin nicht ganz sicher, ob wir nicht schon genug schwierige Mitglieder haben.

Aber das sollen andere entscheiden. Mein Bauchgefühl kann da wohl nicht helfen.

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05.04.2020

Trump und Corona

Es ist schwer auszuhalten, was da in den USA passiert:
Da blamiert sich ein – sowieso mehr als peinlicher – Präsident vor der gesamten Weltöffentlichkeit durch seine unfassbare Ignoranz gegenüber der schon klar sichtbaren Bedrohung. Da entlarvt sich ein System, das der öffentlichen Infrastruktur nur eine minimale Bedeutung zumisst – weil alles Augenmerk dem privaten Reichtum gilt.
Da schnellen – folgerichtig – die Infektions- und Opferzahlen genauso in die Höhe wie die Arbeitslosenquote.

Und dann muss dieser Präsident nur eine paar martialische Sprüche loslassen, eine Art Kriegserklärung verkünden, an den Nationalstolz appellieren und Dollars verteilen. Und schon liegt ihm ein Großteil der amerikanischen Nation zu Füßen.
Dem Gegner, den er gerade noch als irrelevant verhöhnt hat, tritt er jetzt als größter Feldherr aller Zeiten entgegen und die Nation guckt gebannt auf den bösen Feind – und nicht auf die Schwächen des Systems und der Regierung.

Irgenwie erscheint es nicht wirklich schwer, dieses Land zu regieren. Selbst ein Trump scheint auf den ersten Blick dazu in der Lage zu sein.

Es ist schwer auszuhalten…

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12.03.2020

Vermutlich könnte man in den nächsten Wochen und Monaten jeden Tag über den Corona-Virus reden. Es würde wohl nie langweilig werden.
Man könnte die Situation mit früheren Krisen vergleichen, könnte die Auswirkungen auf Wirtschaft, Politik, Zukunftsperspektiven und die menschliche Psyche betrachten.
Vielleicht werden die Zeiten ja so schwierig, dass eine solche Fixierung auf ein Thema sogar angemessen erscheint.

Heute – jedenfalls – ist die Verbindung zwischen Trump und dem Virus daran.

Das ist ein außerordentlich interessantes Thema – denn der Virus macht sich ausgerechnet in Wahlkampfzeiten breit.
Was macht ein Trump mit einem Gegner, der sich nicht durch „twitter-tweets“ provozieren, nicht durch „fake-news“ beirren und nicht durch einen „perfect deal“ einfangen lässt? Der sich sogar gegenüber dem Slogan „america first“ taub stellt? Dem man nicht mit Anwälten und dem Zorn der „real americans“ drohen kann?

Ein paar Sachen gehen noch!
Man könnte z.B. sagen, dass andere Schuld sind. Das könnten ja die gegnerischen Demokraten sein: Haben die nicht die ganze Sache erfunden oder hochgespielt, nur um den so einzigartig erfolgreichen Präsidenten zu schaden?
Und wenn es den Virus nun doch gibt: Haben nicht diese Europäer die Verbreitung ermöglicht, die wegen ihrer bekloppten humanistischen Ideen dauernd irgendwelche Ausländer reinlassen – statt ihre Grenzen durch angemessene Mauern zu schützen („gab es da nicht schon mal irgendwo gute Ansätze…?“).
Und wenn ich (Trump) dann doch handeln muss: Dann sperre erstmal die Europäer aus – egal wie viele Infektionen schon im Land grassieren (weil das mit den eigenen Tests nicht geklappt hat).

Wir werden es sehen: Ein Land, in dem Egoismus Staatsräson ist und ein allgemeine Krankenversicherung als Sozialismus gilt – so ein Land wird ganz sicher mit dem Virus die größten Probleme kriegen.
Nach dieser Krise werden solche Dinge wie „ein starker, fürsorglicher Staat“, eine „funktionierende Verwaltung“ und „eine ausgebaute Infrastruktur“ eine hohe Wertschätzung genießen. Weltweit.
Wer auf persönlichen Reichtum statt auf ein geordnetes Gemeinwesen setzt, wird die globalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte nicht meistern!
Die Klimakrise lässt grüßen!

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03.03.2020

Es ist ein bisschen zum Verzweifeln.

Die USA sind eine große und mächtige Nation. Die Demokratische Partei hat eine lange Geschichte und eine Reihe von Präsidenten gestellt. Am einige kann man sich erinnern: Kennedy, Carter, Obama.

Im Moment geht es darum, einen Kandidaten / eine Kandidatin zu finden, die einem der umstrittensten Amtsinhaber aller Zeiten mit einer gewissen Erfolgschance entgegentreten könnte. Es gibt sehr viele gute Gründe, den aktuellen Präsidenten abzuwählen; er bietet dafür eine kaum zu übertreffende Zahl von Angriffspunkten.

Und jetzt soll die ganze Sache daran scheitern, dass es niemanden gibt, der so viel Kompetenz, Persönlichkeit und Zuversicht ausstrahlen kann, dass er/sie die Partei hinter sich bringen kann?
Kaum zu fassen. Wie kann das sein?

Heute Nacht fällt eine Vorentscheidung.
Es gibt berechtigte Zweifel, ob die dazu führen kann, dass noch eine echte „Wechselstimmung“ durch das große Land wehen kann.
Es wäre traurig und für viele wichtige Themen extrem nachteilig, wenn ein so ignoranter und charakterloser Präsident wegen der Schwäche seiner Gegner im Amt verbliebe…

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11.02.2020

Thüringen war und ist wichtig, in diesen Tagen. Ohne Zweifel.

Was ist mit Syrien?

Ach ja, gibt es auch noch. Irgendwie lästig. Gibt immer noch die eine Stadt, die in Schutt und Asche gebombt werden muss. Da sind noch Extremisten. Leider ein paar Zehntausend Zivilisten drumherum.

Die syrische Armee und die russischen Helfer schießen gerade alles sturmreif. Ganz öffentlich. Gerne auch gezielt die Krankenhäuser. Stört ja niemanden. In den USA ist Vorwahlkampf und in Deutschland ist Thüringen.

Auf eine Stadt mehr oder weniger, die man mit internationalen Mitteln wieder aufbauen muss, kommt es ja nicht an. Auf die paar Zigtausend Flüchtlinge auch nicht. Zwischen denen und uns sind ja noch die Türken.

Vielleicht übernimmt ja doch Merz den CDU-Vorsitz. Das hilft bestimmt auch den Syrern….

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