Ist unsere Zukunft prechtig oder (th)elendig?

Gestern war es endlich so weit; mein Wunsch ging in Erfüllung: Bei Lanz trafen PRECHT und THELEN aufeinander – mit der Erwartung, dass sie ihre unterschiedlichen Visionen über unsere Zukunft in einem kontroversen Dialog austragen.
Grundlage dafür waren ihre beiden jüngsten Veröffentlichungen (s. PRECHT, THELEN).

Eine gefühlte Ewigkeit musste man warten, bis eine unsägliche und total überflüssige Diskussion über den Nutzen von Masken bei der Corona-Bekämpfung endlich vorbei war.
Was dann geboten wurde, war mir viel zu kurz und eher oberflächlich.

Natürlich konnte THELEN seine Technik-Fantasien („Hyperloop“) und seine Bewunderung für die großen Digital-Pioniere einbringen. PRECHT trat moderat und (etwas zu) defensiv auf. Er machte deutlich, dass es ihm weder um einen Feldzug gegen Amazon, Google & Co, noch um eine allgemeine Innovationsverweigerung geht. Er machte auf die Gefahren der enormen Machtkonzentration in den wenigen Mega-Konzernen aufmerksam, brachte Beispiele für „Big-Data“ und verdeutlichte, dass er insgesamt weniger Heil von einer rein technologischen Zukunftsbewältigung erwartet.
Einig war man sich dann, dass es dringend Investitionen in eine deutsche bzw. europäische Digital-Offensive geben sollte – und zwar in Bereichen, die noch nicht „uneinholbar“ besetzt sind. So war der Ausklang relativ harmonisch.

Was mir eindeutig gefehlt hat, war ein mutigeres Gegenmodell zum Steigerungs-Mindset von THELEN. Es reicht mir nicht, dass man auf den Zeitdruck und auf die zusätzliche Notwendigkeit von Einschränkungen und Verboten hinweist.
Wo blieb z.B. die Frage nach dem gesellschaftlichen und ökologischen Nutzen von all den Produkten, die THELEN und seine Szene „cool“ finden? Wer redet darüber, dass es zuerst um die Grundversorgung der demnächst ca. 10 Milliarden Menschen gehen muss? Welches wirklich existenzielle Menschheitsproblem wird z.B. dadurch gelöst, dass man viele Milliarden in ein futuristisches Verkehrsmittel (Vakuum-Röhre) steckt, dass dann (nachdem unglaubliche Ressourcen verbraucht wurden) eine kleine Elite von Menschen weitgehend CO2-neutral mit 1400 km/h von X nach Y bringt?
Warum weist PRECHT nicht stärker darauf hin, dass Ziele und Prioritäten für unsere Zukunft doch möglichst durch geplante gesellschaftliche Entscheidungen zustande kommen sollten – und eben nicht durch Marktmechanismen bzw. durch das, was gerade technisch möglich erscheint.

Ganz offensichtlich kann PRECHT immer dann punkten, wenn er konkrete Vorschläge macht – z.B. bzgl. einer Sondersteuer auf den Online-Handel. Dann wird deutlich, dass THELEN zwar „im Prinzip“ ähnliche Werte und Prinzipien vertritt („es wäre schön, wenn die Städte nicht veröden würden“), aber eben keinen Gedanken darauf verschwendet, wie man die (unerwünschten) Folgen der Digitalisierung bändigen könnte. Dafür bleibt keine Zeit, denn da wartet ja das nächste coole Produkt und alle wollen es schnell haben…

Man hätte gerne mitdiskutiert…

Den relevanten Ausschnitt der Sendung gibt es hier.

(Das Wortspiel in meiner Überschrift finde ich übrigens „cool“)


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09.04.2020

Ostern

Ich bin ein sehr säkularer Mensch: Ich habe nichts geben Religionen oder Gläubigkeit; ich gehe nur recht selbstverständlich davon aus, dass die gelebte Religiosität eher im Privaten stattfindet – und eben nicht im öffentlichen Raum. Ganz einfach deshalb, weil wir einen weltanschaulich „neutrales“ Gemeinwesen sind und die Zugehörigkeit zu christlichen Religionsgemeinschaften nicht (mehr) die selbstverständliche Normalität darstellt.

Das spricht natürlich nicht dagegen, dass an den höchsten christlichen Feiertagen auch in den normalen Nachrichtensendungen über die entsprechenden Rituale berichtet wird. Alles kein Problem.

Was mich irritiert: Dass ein – der Liberalität verpflichtetes – großes Wochenblatt wie Die ZEIT vor Ostern (genauso wie vor einigen Monaten anlässlich des Weihnachtsfestes) in Teilen zu einer Art Besinnungsblatt wird und so tut, als ob religiös-spirituelle Betrachtungen ein Teil des journalistischen Auftrages und Selbstverständnisses wären. Als würden sich die Leser – jeweils passend zu den Feiertagen – plötzlich an ihr christliches Erbe erinnern und in den Schoß von Mutter Kirche zurückkehren wollen.

Ich will das nicht zu groß machen; es ist nur eine Beobachtung (es betrifft ja auch nur einen kleinen Teil der Artikel).
Für mich macht es aber einfach einen Unterschied, ob über Kirche und Religion berichtet wird, oder ob der Leser direkt als „bekennender Christ“ angesprochen wird.
Das kann man ja machen, in einer konfessionellen Zeitung.
In der ZEIT hätte ich es lieber etwas neutraler, weniger vereinnahmend.

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Ein paar Gedanken zum PLURALISMUS

Als Vorbereitung auf eine Diskussion unter Freunden habe ich ein paar Thesen aufgeschrieben, die ich auf diesem Weg etwas breiter streuen möchte.
Letztlich geht es dabei nicht nur um ein abstraktes Thema, sondern um die konkrete Frage, ob und wie unsere demokratisch-pluralistisches System angesichts der Bedrohung durch autokratische Tendenzen überleben kann.

1)  Unsere pluralistisch angelegte Gesellschaft bietet einen sicheren Rahmen dafür, dass unterschiedliche Interessen, Weltanschauungen und Wertesysteme nebeneinander stehen können und dürfen. Damit entsteht Raum für individuelle Freiheit bzw. Weiterentwicklung und Schutz vor Bevormundung und Unterdrückung.

2) Pluralistische Gesellschaften weisen aber auch Schwächen auf: Ihnen fehlt ein einigender Bezugspunkt, der Identität, Zugehörigkeit und Orientierung schafft (wie es z.B. Staaten bieten können, die ihre Basis in Tradition, Religion, Ideologie oder Nationalismus definieren und zelebrieren). Dieses Problem verschärft sich noch zusätzlich, wenn die potentielle gemeinsame Basis (Grundgesetz) nur abstrakt vorhanden ist und nicht auch emotional verankert wird.

3) Ein extrem ausgebildeter Pluralismus kann in eine Beliebigkeit führen. Dadurch, dass alle denkbaren Lebensvarianten quasi gleichwertig nebeneinander gestellt werden (und dabei auch noch Abweichungen und Minderheiten besonders beachtet bzw. geschützt werden), geht das Gefühl für das „Normale“ (vielleicht auch das „Richtige“) immer stärker verloren.

4) Die Vielfalt und offensichtliche Beliebigkeit von Lebensentwürfen und Normen überfordert insbesondere Menschen mit eher geringen (intellektuellen, emotionalen) Ressourcen. Sie sind dann z.B. Einflussnahmen von Demagogen oder wirtschaftlichen Interessen ausgeliefert und werden so – unter dem Mantel einer vermeintlichen Autonomie und Freiheit – wirkungsvoll manipuliert (z.B. indem man die Neigung in Richtung Sensation und Extrem ausnutzt).

5) Angesichts der realen Menschheitsprobleme (Ressourcen, Klima, Migration, Rüstung…) können wir uns möglicherweise diese pluralistische Haltungen einfach rein objektiv nicht mehr leisten. So können z.B. unterschiedliche Vorstellungen zur Energieerzeugung oder zum Verkehrssystem dann nicht mehr dem freien Spiel pluralistischer Überzeugungen überlassen werden, wenn davon die Zukunft der Menschheit oder des Planeten abhängt.

6) Es wird sich in den nächsten Jahrzehnten vermutlich noch stärker als bisher erweisen, dass Gesellschaften, die weniger pluralistisch sind (insbesondere China und andere asiatische Staaten) effizienter, zielgerichteter und weitsichtiger handeln können und damit wirtschaftlich erfolgreicher sein werden.

7) Aus meiner Sicht läge die Lösung in einem „gebremsten“ Pluralismus. In so einem System, würden die Grundwerte der Gesellschaft (Verfassung, Menschenrechte, Gewaltfreiheit) viel stärker in das öffentliche und erzieherische Zentrum gerückt und dort auch emotional verankert. „Abweichungen“ würden zwar nicht unterdrückt, würden aber nicht mehr automatisch durch einen besonderen „Minderheiten-Bonus“ geadelt. Gewisse Basis-Tugenden (Anstand, Ehrlichkeit, Verantwortung für das Allgemeinwohl) würden im öffentlichen Raum nicht mehr ein unverbindliches Angebot bleiben, sondern zum gewollten Identitätskern des Zusammenlebens gemacht und verteidigt.
Inwieweit in diesem Zusammenhang auch der Einfluss der Medien auf die Entstehung von gesellschaftlich relevanten Wertsystemen zum Thema werden müsste, bedarf einer besonderen Diskussion.

 

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„Ja, das Leben ist ungerecht“ von SILVIA

Ja, das Leben ist ungerecht.

Ja, es gibt Menschen, die haben viel Geld und Menschen, die haben wenig Geld.

Manchmal fühlen wir uns gut und manchmal schlecht. Wir denken, wir haben keine Chancen gehabt und werden keine haben.

Ja, es gibt Menschen, die haben viel Macht und Menschen, die haben wenig Macht. Stopp!!!

Ihr habt doch gar nichts dagegen, dass es Menschen gibt, die viel Macht haben.  Aber welchen Menschen wollt ihr diese Macht geben? Genau, es sind Menschen, die euch sagen, dass ihr wichtig seid, auch ohne Geld und ohne den Glauben an eine Perspektive.  Menschen, die eure Ratlosigkeit in Wut verwandeln, die euch sagen, dass jeder von euch das Recht hat, sich zu wehren.  Das fühlt sich gut an, oder? Schaut ihr auch hin, welche Ideen diese Menschen euch vermitteln, wie ihr etwas verändern könnt? Sie scheinen euch ernst zu nehmen, nicht wahr? Sie benutzen Worte, die ihr versteht. Sie sagen euch, dass ihr euch wehren müsst und könnt.  Und da ist auf einmal das Gefühl, dass ihr nicht mehr alleine seid. Gemeinsam sind wir stark, sagt ihr. Das stimmt und das fühlt sich gut an. „Ich zuerst“ wird zum „wir zuerst“ und damit begebt ihr euch auf einen Weg in den Kampf.  Aber sagt mir, wann in eurem Leben hat ein solcher Kampf dazu geführt, dass sich die Situation für alle verbessert hat? Es gab Sieger und Verlierer. Mit etwas Glück gehörte man zu den Siegern, zumindest für den Moment.

Immer mehr Menschen auf dieser Welt glauben, dass es sie stark und groß macht, wenn sie gegen etwas sind und für sich selber kämpfen. Das ist nicht neu und war schon oft der Antrieb für Veränderungen. Aber, zumindest für die Zeit, die ich bisher hier auf dieser Erde verbracht habe, ist es neu, dass so viele Menschen das Ziel haben, zu zerstören. Dass so viele Menschen glauben, dass es der richtige Weg für sie ist, wenn sie „starken“ Führern folgen, die ihnen versprechen, dass alles besser wird, wenn sie nur egoistischer werden. Auch ich kenne das ICH und das WIR.  Aber in meinem Leben gab es immer nur eine gutes Ende in einem Streit oder einem Konflikt, wenn  mein ICH ein WIR wollte und nicht, wenn ich sagte oder dachte, dass mein ICH am Wichtigsten ist.

Ich bin mir sicher, diese Erfahrung kennt ihr auch. Es ist ein Weg, der schwieriger, mühsamer und langwieriger ist, aber es hat sich immer gelohnt. Verbitterung, Hass, Rache und das Bedürfnis nach Macht und Sieg sind schlechte Zutaten für ein friedvolles und menschliches Miteinander. Ich habe mich nie nach einer machtvollen Position gesehnt. Aber ich war auch nie still und untätig.  Aber wir brauchen Menschen, die machtvolle Positionen besetzen. Lass uns genau hinschauen, was sie vertreten. Welche Ideen  und Werte haben diese Menschen? Wollen sie uns benutzen  und wofür?

Ich wünsche mir, dass die Menschen auf ihre Kinder schauen. Was wünschen wir uns für unsere Kinder?

Ich möchte, dass sie in Frieden aufwachsen und leben können. Ich möchte, dass sie in uns ein Vorbild haben in ihrer Suche nach Glück und Zufriedenheit. Dass sie lernen, dass man Lösungen finden kann, wenn man Respekt und Achtung vor dem Problem und den anderen Menschen hat.  Ich möchte, dass ihre Neugier auf Wissen und das Leben lebendig bleiben darf.

Zurzeit sind die Konflikte auf dieser Welt für mich oftmals unüberschaubar und ich habe das Gefühl, dass es immer gefährlicher wird. Ich denke, dass geht vielen Menschen so. Aber lass uns unsere Sehnsucht nach Gemeinschaft und Wohlfühlen ernst nehmen. Wenn wir unsere Werte ernst nehmen, dann können wir vielleicht sagen „Wir zuerst“ und andere einladen, gemeinsam für ein faires  und friedvolles Leben zu stehen.

Und unsere Kinder werden stolz auf uns sein.

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