„Denkt Mit!“ von Harald LESCH und K. Kamphausen

Bewertung: 4 von 5.

(Wenn ich im Folgenden LESCH schreibe, meine ich seinen Co-Autor immer mit).

Der omnipräsente Wissenschaftsvermittler hat sich mal wieder zu Wort gemeldet. Mit ganz aktuellem Bezug: Natürlich geht es vorrangig um Corona bzw. die Rolle der Wissenschaft in der Pandemie. Auf dem Nebengleis fährt der Klima-Zug allerdings immer mit, denn LESCH lässt keine Gelegenheit aus, die beiden großen Herausforderungen aufeinander zu beziehen.

Es ist ein sehr umfassender Rundumschlag, der uns angeboten wird. Es geht nicht ums „Klein-Klein“, sondern um eine allgemeine Einordung des naturwissenschaftlichen Zugangs zur Welterkenntnis. Es geht ums Prinzip des empirischen Forschens und Experimentierens, um die Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Erkenntnis.

Mit LESCH spricht ein leidenschaftlicher Vertreter der Naturwissenschaft. Er wendet sich ausführlich der Abgrenzungsdebatte zwischen Natur- und Geisteswissenschaft zu und schlägt – natürlich – eine friedliche Zusammenarbeit vor. Es wird aber unmissverständlich deutlich, dass aus seiner Sicht der Forscher nicht still in seinem Labor vor sich hin werkelt und den Philosophen (Soziologen, Pädagogen, …) den öffentlichen Diskurs überlässt.
Im Gegenteil: Auch die Physiker, Biologen, Medizinern (u.a.) sieht er in der Pflicht, sich gesellschaftlich einzubringen, ihre Erkenntnisse zu erklären und auf Konsequenzen bzw. Risiken aufmerksam zu machen.
Es wird aber auch deutlich: Moralischen Maßstäbe oder ethischen Entscheidungen lassen sich nicht aus experimentellen Befunden ableiten.

Das alles ist informativ, nachvollziehbar und sympathisch, Und natürlich bleibt es nicht so abstrakt, sondern wird auf Corona und Klimawandel heruntergebrochen.
Man kann sozusagen ununterbrochen zustimmend nicken.
Aber es ist eben auch irgendwie alles erwartbar, vieles wurde an anderen Stellen schon gesagt und geschrieben. Dieses Buch wartet nicht mit besonderen Überraschungen auf; für informierte Leser bietet es eher eine Bestätigung als einen inhaltlichen Erkenntniszuwachs.

Entscheidet man sich für die Hörbuch-Fassung bekommt man auch die Stimme von Harald LESCH geboten. Wer ihn gerne – z.B. im Fernsehen – hört, wird das mögen.
Für andere wird sein eindringlicher Tonfall vielleicht gelegentlich eine Spur zu pastoral.
Das ist eindeutig Geschmackssache!

Unterm Strich erhält man mit diesem Buch ein gut lesbares (hörbares) Plädoyer – nicht nur für die enormen Leistungen und Fortschritte der wissenschaftlichen Methodik, sondern auch für eine aufgeklärte Gesellschaft: Diese sollte nämlich auf Basis einer guten naturwissenschaftlichen Allgemeinbildung in der Lage sein, Befunde und Erkenntnisse nicht nur zu verstehen, sondern auch kritisch einzuordnen.

In der Welt von LESCH haben Verschwörungstheoretiker und Wissenschaftsskeptiker keinen Platz. Es würde ihnen wohl auch ziemlich schwer fallen, sich argumentativ Raum zu verschaffen. Dass man manchmal das Gefühl hat, seine Weltsicht ist eine kleine Spur zu rund und glatt, ändert an der Gesamtsicht nichts.

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