„Die Jungbrunnen-Formel“ von Sven VOELPEL

Ein brandneues Buch (Okt 2020) zu einem alten Thema.
Ist es deshalb überflüssig?
Diese Rezension soll dabei helfen, diese Frage zu beantworten.

Der Jungbrunnen ist eine sehr alte und etablierte Metapher für das Besiegen der Altersbeschwerden; in der Verbindung mit dem Begriff „Formel“ soll wohl daraus etwas Modernes, Berechenbares und Planbares werden. Es geht also um Machbarkeit und nicht um Zauberkraft.

VOELPEL, Professor für Betriebswirtschaft, beschäftigt sich schon längere Zeit mit dem Thema Alter und hat sich dabei inzwischen weit über den Bereich der Wirtschaft hinaus einen Namen gemacht. In Talkshows unterhält und verblüfft der – geradezu provozierend jung wirkende – VOELPEL mit seinen z.T. skurrilen privaten Anti-Aging-Routinen.

Wenn man dieses Buch aufschlägt (bzw. auf sein Display lädt), erwartet einen zunächst mal eine Enttäuschung. Die ungekündigte Formel ist alles andere als eine Geheimformel; sie bündelt nicht mehr und nicht weniger als das Allgemeinwissen über gesundes Leben: Innere Einstellung + Ernährung + Bewegung + Schlaf + Atmung + Entspannung + soziale Kontakte = Wohlbefinden bis ins hohe Alter.
Die einzige Überraschung liegt vielleicht in dem Faktor „Atmung“; auf die anderen sechs Punkte wäre man vermutlich selbst gekommen.
Die Leistung des Autors besteht also nicht darin, bisher unbekannte Geheimnisse zu enthüllen. Was er zu bieten hat, ist die Aufbereitung und die Darstellung der Zusammenhänge.

VOELPEL sind mit diesem Buch zwei Dinge gelungen: Er vermittelt (insbesondere) neuere wissenschaftliche Befunde sehr verständlich und er schafft eine Art Motivationsschub in Richtung Umsetzung: Man kann sich dem Impuls kaum erwehren, zumindest einige Empfehlungen noch am gleichen Tag in sein Leben zu integrieren.

Wenn der Autor in seinen öffentlichen Auftritten auch recht radikal wirkt – in diesem Buch nimmt VOELKEL Kurs auf den Mainstream. Bis auf einige Vorschläge im Bewegungsbereich (z.B. Rückwärtsgehen auch in der Öffentlichkeit) vermeidet er Anregungen, die einem als Normalo nicht zugänglich wären. Auch in seinen Ernährungstipps spielen z.B. exotische Superfoods keine Rolle mehr (das war früher anders).
Das Ganze hat fast eine gewisse Heimtücke: Fast all das, was sich als nützlich für ein langes und gesundes Leben erwiesen hat, lässt sich mit durchaus vertretbarem Aufwand in einen ganz normalen Alltag integrieren: „Ach du Schrecken – das könnte ich ja wirklich tun!“

Es handelt sich bei der Jungbrunnen-Formel um ein Einsteiger-Buch. Niemand, der schon achtsam, körperlich aktiv, ernährungsbewusst und sozial eingebunden lebt, braucht wirklich diesen Überblick.
Wer an der Schwelle steht, noch Bestätigung oder Ermutigung braucht, andere motivieren oder einfach auf aktuellem Niveau mitreden möchte – der ist mit diesem angenehm und flüssig lesbaren Buch gut bedient.

Vielleicht hätte VOELPEL auf die ein oder andere Binsenweisheit verzichten können; manche Kapitel-Einleitungen sind schon sehr „basic“ und lassen eine gewisse Ungeduld aufkommen (die natürlich nicht gesundheitsförderlich ist).
(Übrigens: Die Cover-Gestaltung spricht mich überhaupt nicht an).

Auch wenn der Titel des Buches ein wenig marktschreierisch wirkt: Man bekommt seriöse Kost geboten und von einem technokratischen Machbarkeitswahn ist kaum etwas zu spüren.
Dass wir unsere Gesundheit und unsere Lebenserwartung zu einem gewissen Anteil selbst beeinflussen können – an dieser Erkenntnis kommt wohl niemand vorbei. Wer das bisher nicht wusste, weiß es nach dem Lesen dieses Buches.

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