„In 100 Tagen zu einem jüngeren Gehirn“ von Dr. Sabina Brennan

Bewertung: 4 von 5.

Man könnte etwas zurückschrecken – angesichts des etwas marktschreierischen Titels. Aber das wäre wirklich voreilig und total ungerechtfertigt.

Die Neurowissenschaftlerin und Psychologin BRENNAN hat hier einen Sachbuch-Ratgeber vorgelegt, das durch seine Informationstiefe, seine Strukturiertheit und seine Didaktik beeindruckt.

Als Leser/in erfährt man wirklich extrem viel über die Bedingungen für gute Hirnfunktionen (und deren Erhalt bis ins hohe Alter). Dabei stellt sich von Thema zu Thema deutlicher heraus: Nahezu alles, was der Allgemeingesundheit dient, ist auch gut für unser Gehirn: ausreichender Schlaf, gute Ernährung, ein „bewegtes“ Leben, soziale Einbettung, Stressresistenz, positive Einstellungen (zum Leben und zum Älterwerden) und die Früherkennung (und Bekämpfung) von Bluthochdruck und Diabetes.
Das hört sich vielleicht irgendwie banal an: Man weiß doch eigentlich schon, wie man gesünder leben könnte (und müsste)! Worin liegt dann der Mehrwert dieses Buches?

Zum einen ist es wirklich erstaunlich, mit wie viel (gut verständlichen) Fakten die Bedeutung der jeweiligen Bereiche untermauert wird. Wer es genauer – vielleicht sogar ganz genau – wissen will, wird in diesem Buch bedient. Zwar werden keine Untersuchungen zitiert (das würde dem anwendungsbezogenen Charakter dieses Ratgebers widersprechen), aber mit medizinischem und neurologischen Hintergrundwissen wird nicht gespart.

Zum anderen gibt es da noch den Schwerpunkt der strukturierten Anleitungen: Jedes Thema wird auf die konkrete Verhaltensebene heruntergebrochen, wird in beobachtbare und zählbare Häppchen aufgeteilt und in einem ganzen Wust von Listen und Tabellen zur Erfassung vorbereitet. BRENNAN ist nicht die Freundin von Allgemeinplätzen; niemand kann sich in diesem Buch hinter unspezifischen „guten Vorsätzen“ verstecken.
Wer sich auf das 100-Tage-Programm einlässt, der sieht sich mit ganz konkreten Entscheidungen und Maßnahmen konfrontiert: Wie soll mein Schlaf-Vorbereitungs-Ritual ab heute aussehen? Welche Bewegungs- und Trainingseinheiten verteile ich wie in meine Woche? Wann reduziere ich wie weit mein Rauch- und Trinkverhalten? Wie trainiere ich meine Bewertungen in eine positivere Richtung?
Was man sich genau vornimmt, bleibt dabei der eigenen Entscheidung überlassen; wenn man sich aber etwas vornimmt, dass wird es minutiös nachgehalten.

Diese „Vorzüge“ von Systematik und Strukturiertheit führen gleichzeitig auch zu dem Knackpunkt dieses Buches: Wer ist wirklich so motiviert, dass er oder sie sowohl die differenzierte Selbstanalyse, als auch die exakten Zielsetzungen und die kontinuierliche Erfassung der Einzelschritte diszipliniert durchhält? Anders gefragt: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um von diesem Buch wirklich in echt zu profitieren?

Günstig ist es auf jeden Fall, wenn man sich gerne durch wissenschaftliche Detailinformationen überzeugen lässt, nach dem Motto: Wenn mir das jemand so genau erklärt, dann bin ich eher in der Lage, meinen „inneren Schweinehund“ zu überwinden.
Die zweite Eintrittskarte ist wohl ein Faible für Systematik: Wer das Ausfüllen von Tabellen eher als Belastung erlebt, wird mit dem 100-Tage-Programm nicht weit kommen.
Kritisch anzumerken wäre in diesem Zusammenhang, dass in einzelnen Passagen die Detailversessenheit schon fast zwanghafte Züge annimmt (z.B. bei der Erfassung unterschiedlicher Arten von Bewegungsintensitäten in verschiedenen Lebensbereichen – natürlich tagesgenau).

Unterm Strich bleibt ein mit Fakten gefülltes Buch, das gut lesbar und sehr motivierend geschrieben ist. Auch wenn man letztlich nicht jede Tabelle ausfüllen sollte, bleiben mit Sicherheit Anregungen übrig, die vielleicht den entscheidenden Rück zur (lange geplanten) Veränderung in Richtung gesundheitsbewusstes Leben geben.
Soviel kompaktes Gesundheitswissen, so viel konkrete Anleitung zur Umsetzung für so wenig Geld: Das ist wirklich kaum zu toppen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.