„Klima“ von David KLASS

Bewertung: 4 von 5.

Umwelt- und Klimathriller werden sich wohl zu einem eigenen Genre entwickeln: Das Thema ist brandaktuell, wird uns lange Zeit erhalten bleiben und birgt jede Menge Stoff für Konflikte auf allen Ebenen – technologisch, politisch, emotional, moralisch, psychologisch.
Und die üblichen Zutaten – Spannung, Liebe, Sex, Loyalitäts- bzw. Gewissenskonflikte und Action – lassen sich immer einbauen.
KLASS kennt offensichtlich die Regeln des Thriller-Handwerks.

Der Held seiner Geschichte ist ein Öko-Terrorist mit keinem geringeren moralischen Anspruch, als die Welt vor dem ökologischen Untergang zu retten. Er ist der legendäre „Green Man“, der mit seinen Anschlägen die Welt aufrüttelt, obwohl dabei immer wieder Menschen sterben.
Die Story nimmt uns mit in die Endphase des Kampfes zwischen dem genialen Umwelt-Aktivisten und dem FBI, für den Green Man zum Staatsfeind Nr. 1 geworden ist.

Wir lernen auf der einen Seite nach und nach die persönlichen Hintergründe des Helden kennen, während die anderen Seite durch einen jungen Spezialisten personalisiert wird, der plötzlich in die vorderste Front des Sicherheitsapparates gerät.
Ab da heißt es: „Genie gegen Genie.“

KLASS bietet eine anregende Mischung aus Öko-Aufklärung, technischer Raffinesse, moralischen Dilemmata, Generationskonflikten und Beziehungsgeschichten.
Es gibt ausreichend Spannung und erfreulich wenig Gewaltschilderung.
Das ein oder andere Klischee (nach dem Motto: „das musste ja so kommen“) wird ebenfalls nicht ausgespart.

Es gibt ein ernst zu nehmendes Grundthema: Wie weit darf der Widerstand gegen die Umweltzerstörung gehen? Welche Opfer (Kollateralschäden) dürfen in Kauf genommen werden, um das ganz große Desaster doch noch abwenden zu können? Wie spektakulär müssen die Methoden sein, damit die Welt wach wird und handelt? Ist Öko-Terrorismus irgendwann nicht nur nachvollziehbar, sondern eine moralische Pflicht?
Aus meiner Sicht wird nicht restlos nachvollziehbar, dass es wirklich diese gravierenden Anschläge auf die Symbole der Umweltzerstörung sein könnten, die den entscheidenden „wake-up-call“ schaffen.

Solange es die Klima-Thriller schaffen, spannungssuchende Leser/innen auf die Thematik aufmerksam zu machen, finde ich das Ganze sinnvoll und richtig.
Dieses Buch kann ich jedenfalls empfehlen, wenn man damit leben kann, dass einiges doch ein wenig vorhersehbar und in bekannten Schemata verläuft.
Es ist solide gemacht, nicht experimentell, sondern nach den Regeln der Thriller-Kunst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.