„Ruth Bader Ginsburg“ von Helena Hunt (Hrsg.)

Bewertung: 4 von 5.

Die 1933 geborene Juristin, zuletzt Richterin am Obersten Gerichtshof der USA, ist im September 2020 gestorben. Dieser Umstand hat aus zwei Gründen auch internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Einmal war Ginsburg in Amerika eine hochgeschätzte und verehrte Symbolfigur für den Kampf um Geschlechtergerechtigkeit, zum anderen war ihr Tod die Basis eines umstrittenen Nachbesetzungsverfahrens in den letzten Monaten der Amtszeit von Donald Trump.

Dieses Buch besteht fast ausschließlich aus – meist eher kurzen – Zitaten, die aus ihren Reden, Aufsätzen und Urteilsbegründungen zusammengetragen und – nach bestimmten Kategorien geordnet – dargeboten werden.
Erklärtes Ziel der Herausgeberin ist es somit, diese beeindruckende und couragierte Frau, eine Ikone für das liberale Amerika, für sich selbst sprechen zu lassen.
Ergänzt wird diese Zitatensammlung nur durch einen kurzen historischen Abriss ihrer privaten und beruflichen Biografie. Als Besonderheit sticht dabei hervor, dass den Stationen dieses Lebenslaufes auch eine Reihe von besonders bedeutsamen Gerichtsverfahren zugeordnet werden. Auch an diesem Punkt wird noch mal deutlich, dass Ginsburg nicht nur eine sehr besondere Karriere in einem extrem männerdominierten Bereich der Gesellschaft durchlaufen hat, sondern eben auch Rechtsgeschichte geschrieben hat: Sie hat durch ihre Haltung und ihre Arbeit Amerika zu einem anderen, zu einem gerechteren Land gemacht – nicht nur, aber besonders für seine weiblichen Bürger.
Dass Ginsburg keine fanatische Feministin war, sondern Ungerechtigkeit und Diskriminierung in einem umfassenden Ansatz bekämpfen wollte und bekämpft hat, hat ihren Einfluss sicher noch zusätzlich vergrößert.

Das Bild von Ginsburgs Leben und Schaffen setzt sich in diesen kurzen Textausschnitten mosaikartig zusammen. Es gibt keinen verbindende oder erklärende Begleitung, niemand führt einen durch Themen und Stationen.
Trotzdem entsteht nach und nach ein recht plastisches Bild dieser Person.
Das liegt vor allem daran, dass die Zitate inhaltlich sehr breit gestreut sind und durchaus auch sehr persönliche Informationen (über Familie, Erkrankungen und Ideale) beinhalten.
Extrem beeindruckend sind vor allem die Passagen, in denen Ginsburg die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen schildert, mit denen sie in den ersten Jahren und Jahrzehnten auf dem mühsamen Weg durch Universitäten, Anwaltskanzleien und Gerichte konfrontiert war. Es wird immer wieder ersichtlich, welcher Mut, welcher Idealismus und welche Zähigkeit notwendig waren, in dieser erstarrten, konservativen und z.T. frauenverachtenden Männerwelt zu bestehen – auch bei noch so viel Kompetenzen und Erfolgen.
Dass dabei auch private Schicksalsschläge zu verkraften waren, macht die Geschichte dieser Frau noch berührender.

Dieses Buch muss man nicht an einem Stück lesen. Es ist eine Fundgrube und sicher auch eine Ermutigung bzw. Inspiration für Menschen (sicher besonders für Frauen), die Interesse an dieser herausragenden Persönlichkeit haben oder Beispiele für die Rolle der Justiz bei der Weiterentwicklung einer Gesellschaft suchen.

Sicher gibt es auch Leser/innen, die eine ausformulierte (Auto-)Biografie vorziehen würden und die vorgelegte Zitatensammlung eher als eine Art „redundantes Stückwerk“ erleben würden. Man sollte schon wissen, worauf man sich mit diesem Buch einlässt.

Menschen und Juristen/Juristinnen wie Ginsburg werden weiterhin dringend gebraucht. Nicht nur, aber auch nicht zuletzt in den USA.

1
0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.