„Was auf dem Spiel steht“ von Philipp BLOM

Ja, schon wieder so ein Zukunfts-Buch. Nicht nagelneu, von 2017.
Es reiht sich ein in die Veröffentlichungen von Harari, Yogishwar, Lesch, Welzer, Precht und anderen. Diese Autoren und ihre Bücher beobachten, analysieren und kommentieren aktuelle Tendenzen in Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Politik.
Sie tun das nicht aus einer neutralen Position heraus. Sie wollen aufklären, warnen – und sie wollen etwas bewahren: unseren demokratischen Rechtsstaat.

Was ist nun das Besondere an dem Buch von Blom?

Blom ist Historiker (das verbindet ihn z.B. mit Harari). Er erklärt, aus welchen Entwicklungssträngen heraus sich unser aktuelles Gesellschaftsmodell entwickelt hat. Er beschreibt dann die besonderen Charakteristika unser Art zu leben. Dabei spielt aus seiner Sicht die Konzentration und Fixierung auf einen „Hyperkonsum“ eine entscheidende Rolle.
Er stellt dann dar, warum dieses Wirtschafts-Modell nicht zukunftsfähig ist, nicht sein kann.
Schließlich verwendet der Autor ein großes Kapitel darauf, ein mögliches Szenario aufzuspannen, wie der Übergang in eine nachhaltige Lebensweise von statten gehen könnte. Nicht als Prognose, sondern als einen exemplarischen Verlauf.

Ich habe das bewusst nüchtern und „trocken“ dargestellt. Natürlich um Inhaltsangabe und Bewertung zu trennen.
Es passt aber auch: Blom ist kein emotionaler Demagoge, er wirkt nicht aufgeregt.
Blom argumentiert engagiert, aber sachlich. Man kann sich seinen Analysen kaum verschließen, man fühlt sich informiert, aufgeklärt, mitgenommen. Der Mann braucht nicht zu lärmen – er hat die Realität (die Fakten und Daten) auf seiner Seite.
Dieses Buch lässt sich einfach gut lesen; man kommt mir dem zustimmenden Nicken kaum hinterher. Vieles weiß man schon, hat man in anderen Zusammenhängen schon gelesen. Das macht aber nichts – denn Blom fügt neue, erhellende Perspektiven hinzu.

Einen echter Mehrwert stellt seine Transformations-Utopie dar. Hier traut sich jemand, mal durchzuspielen, was es denn wirklich bedeuten könnte, wenn es einen konsequenten Wechsel geben würde. Das Szenario wird insbesondere dadurch glaubwürdiger, dass es kein Schönwetter-Idealbild beschreibt. Im Gegenteil: Erst eine echte Krise hat die Umstellung erzwungen und sie verläuft alles andere als reibungslos. Das erzeugt kein wohliges Gefühl – aber es schafft endlich mal eine Grundlage für Überlegungen und Planungen: an was müsste man alles denken, damit bestimmte chaotischen Entwicklungen vielleicht eben nicht eintreten. Und welche – schon jetzt sichtbaren – gesellschaftlichen Experimente wären zu unterstützen, damit sie den Weg in die Nachhaltigkeits-Zukunft weisen können.

Ein anregendes Buch. Ein Buch zum „Weltverstehen“.
Für mich persönlich das ultimative Kompliment!

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