„Pubertät ist voll nice – nur blöd, dass wir jetzt die Eltern sind“ von Silke NEUMAYER

Bewertung: 3 von 5.

Nichts spricht dagegen, locker-leichte Bücher über die Tücken des Familienlebens zu schreiben. Humor ist eine bewährte Methode, Dinge zu verarbeiten oder zu ertragen, die man doch nicht ändern kann. Man lacht eben trotzdem – und es fühlt sich dadurch schon ein wenig erträglicher an. Das hat damit zu tun, dass Humor ein wenig Distanz zum Geschehen schafft; Abstand wiederum ist der erste Schritt hin zu einem Gefühl von Kontrolle.

Ohne Zweifel ist die Phase der Pubertät eine der größten Herausforderungen, die das Zusammenleben zweier Generationen zu bieten hat. Das gilt nicht für alle, aber doch für die Mehrzahl der Familien. Somit greift die Kommunikationswissenschaftlerin NEUMAYER, als deren inhaltliche Qualifikation „Fachfrau fürs Leben“ genannt wird, ein dankbares und ergiebiges Thema auf.

Eines leistet dieser Bericht aus dem Innenleben eines Pubertäts-Haushaltes ohne Zweifel: Es nimmt – durch amüsante Übertreibungen und witzige Anekdoten – dem stressigen Thema die verbissene Ernsthaftigkeit. Bekannte Aspekte der Teenager-Jahre (z.B. Stimmungsschwankungen, Unzuverlässigkeit, Risikobereitschaft, Handysucht und Modewahn) werden so zu unvermeidbaren Absurditäten und Verrücktheiten umdefiniert. Die Botschaft „Regt euch nicht auf, da muss man einfach durch!“ Wenn man dann in der Darstellung noch eine Schüppe drauflegt, erscheint die Realität schon fast harmlos. Und tatsächlich – wie ein Beispiel aus einer anderen Familie zeigt – es könnte ja alles noch viel schlimmer sein…

Selbst wenn man sich auf all das einlässt – und nicht mehr erwartet – gibt es doch etwas anzumerken: Es scheint in dieser Familie (die Autorin hat eine 16-jährige Tochter) absolut keine realen Grenzen für jugendliche Bedürfnisse und Vorstellungen zu geben. Ressourcen, vor allem materielle, stehen offenbar unbegrenzt zur Verfügung.
Das entspannt natürlich den ein oder anderen Konfliktbereich.

Wer in diesem Buch als Mutter oder Vater tatsächlich Hinweise oder ernsthafte Anregungen für den schwierigen Weg zwischen Begleitung, Loslassen, Aushalten, Beeinflussen und Begrenzen sucht, wird leer ausgehen. Es gibt dieses Abwägen schlichtweg nicht. Die einzige Ausnahme betrifft die Ambivalenz hinsichtlich der ersten Jungen-Übernachtung; auch diese wurde natürlich überwunden.
Pubertät ist in der Lesart von NEUMAYER eine Art Krankheit, für die es keine Behandlung gibt – schließlich wird ja bekanntermaßen das Gehirn umgebaut. Über Reste von Erziehung nachzudenken, scheint völlig abwegig zu sein. In dem gesamten Buch gibt es ein einziges Beispiel für eine versuchte Grenzsetzung; ansonsten liegt die Macht zu 100 % beim Jugendlichen. Als Rechtfertigung für diese Kapitulation wird abwechselnd die Unabänderlichkeit des Geschehens und die Erinnerung an die eigene Jugend angeführt – wobei unterschlagen wird, dass die eigenen „Eskapaden“ vermutlich gegen einen gewissen Widerstand erkämpft wurden.

Dieses Buch ist kein Ratgeber. Es ist ein amüsant geschriebener Einblick in den Alltag einer gutsituierten und liberalen Mutter, die eine offenbar ziemlich selbstbewusste und durchsetzungsfähige Tochter hat (das ist sicherlich kein Zufall).
So eine Lektüre kann ohne Zweifel gut tun. Der ein oder andere festgefahrene Konflikt kann vielleicht relativiert werden. Auf jeden Fall fühlt man sich in seinem Alltags-Wahnsinn nicht mehr alleine.
Hilfreich ist das Buch sicher für Eltern, die alles ein wenig zu verbissen sehen. Wer sowieso schon aufgegeben hat, fühlt sich möglicherweise in seiner Ohnmacht bestätigt. Ob das so positiv wäre, wage ich zu bezweifeln.

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