„Wer früher plant, ist nicht gleich tot“ von Janine BERG-PEER

Das Buch hat eine eindeutige Zielgruppe: Es richtet sich an den Teil der Generation 65+, der offen dafür ist, statt nur über die vielfältigen Optionen des „modernen Alterns“ auch über die schwierigen Vorbereitungen und Entscheidungen hinsichtlich eines näher rückenden Lebensendes nachzudenken. Dabei geht es nicht nur um die allerletzten Fragen, sondern auch um die Gestaltung der gesamten Lebensphase, die durch deutlich nachlassende Kräfte und Möglichkeiten gekennzeichnet ist.
Die Kernüberzeugung der Autorin: „Man sollte auf alles vorbereitet sein!“

Nach einigen grundsätzlichen Betrachtungen zum Älterwerden im Allgemeinen folgen Ausführungen und Anregungen zum Umgang mit Krankenkassen (bei Bedarf an Hilfsmitteln), zur Klärung der langfristigen Möglichkeiten familiärer Pflegeleistungen, zu alternativen Wohnkonzepten, zur Auswahl von Alters-, Pflege- und Demenzheimen, zum frühzeitigen Minimalisieren des Hausrates und letztlich zu den notwendigen Verfügungen im Krankheits- und Todesfall.

Das Buch ermutigt zum Nachdenken, zum Recherchieren, zum Nach- und Hinterfragen und zu offenen Gesprächen mit den Menschen, die als Angehörige oder sonstige Bezugspersonen an den anstehenden Prozessen beteiligt sein werden.
Im Zweifelsfall – davon ist BERG-PEER überzeugt – kommt man mit einer direkten Ansprache von Wünschen und Bedürfnissen, also mit Klartext, weiter als mit Tabuisieren und Herumlavieren.
Der Autorin macht vor allem auf überzeugende Art plausibel, wie sinnvoll es ist, alle wesentlichen Dinge zu einem Zeitpunkt zu ordnen und zu regeln, an dem man die Dinge noch selbst in der Hand hat. Das schließt keineswegs aus, sich bei diesen Schritten auch praktische Hilfe zu holen.

Die Autorin legt kein nüchternes Sachbuch vor. Sie zeigt sich – mit einiger Selbstverliebtheit – als eine durchaus sperrige Persönlichkeit mit sehr individuellen Vorlieben und Maßstäben. Damit ist eine Sache schonmal geklärt: Alt sein bedeutet nicht, seine Identität zu verlieren und Teil einer amorphen grauhaarigen Menschenmasse zu werden!
Der Schreibstil ist locker-flockig, persönliche Erlebnisse, Betrachtungen und Meinungen spielen eine große Rolle und bilden die eigentliche Substanz des Buches. Man erfährt mindestens ebenso viel über die Autorin (ihre Katzen, ihre Kinder, ihre Biografie und vor allem über ihre kulinarischen Vorlieben) wie über die behandelten Themen.

Zurecht macht die Autorin anfangs kritisch deutlich, dass es heute fast zur Gewohnheit geworden ist, sich von den anderen (also den normalen) Alten irgendwie abzuheben, weil man ja fitter, flexibler, aktiver oder moderner wäre. Sie erkennt darin eine Art versteckte Altersdiskriminierung – als ob das normale Altsein doch irgendwie einen Makel hätte.
Ein bisschen schmunzeln muss man dann darüber, dass BERG-PEER selbst keine Anstrengung scheut, ihr Besonders-Sein an jeder Ecke zu demonstrieren.

Die Bewertung des Buches und damit der Lesegenuss wird stark davon abhängen, welchen Weg der Informationsvermittlung man als Leser/in bevorzugt. Sucht man strukturierte und nüchterne Sachinformation, die schnell auf den Punkt kommt und sofort praktisch verwertbar ist, dann wird BERG-PEERs extrem subjektiver Stil wenig Begeisterung auslösen können.
Andere werden es sehr genießen, gerade an die sensiblen Themen rund um Alter, Krankheit und Tod auf eine humorvolle und eigensinnige Weise herangeführt zu werden. Nach dem Motto: „Wenn schon das Thema schwer ist, dann soll es doch wenigstens die Art der Darbietung ein wenig Leichtigkeit verbreiten.“

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich auf manche Anekdote und eine große Portion Selbstdarstellung gerne verzichtet. Ich bin aber sicher, dass dieses Buch viele zufriedene Leser finden wird.

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