08.03.2020

Man gibt uns ein Gefühl des Umsorgtwerdens.
Krisenstäbe treffen sich, Politiker treffen sich. Es werden Empfehlungen ausgesprochen, mit zunehmender Dringlichkeit.
Das ist gut und richtig. Auch ich verlasse mich darauf, dass es Notfallpläne für den Fall gibt, dass die sensiblen Schnittstellen unserer hochkomplexen Grundversorgung in Gefahr zu kommen drohen.
Da wird es Urlaubssperren und Dienstverpflichtungen geben (müssen).

Es gibt auch aktuelle Pläne und angekündigten Entscheidungen, die mich irritieren:
Steuersenkungen sollen vorgezogen werden, Kurzarbeitergeld soll fließen, Konjunkturprogramme werden vorbereitet.
Ich frage mich: Muss schon bei den ersten zarten Auswirkungen das Pulver aus vollen Rohren verschossen werden? Wissen wir schon, was insgesamt auf unsere Gesellschaft zukommt? Ist es wirklich vordringlich, den privaten Konsum anzuheizen, angesichts einer völlig unklaren Perspektive? Könnte es nicht sein, dass wir die Milliarden, die jetzt eine erste wirtschaftliche Delle ausgleichen sollen, später für weit dringendere, existenzielle Aufgaben benötigen?

Noch allgemeiner gefragt: Welches Signal brauchen wir? Dass alles so weitergehen kann wie bisher? Teile der Wirtschaft kommen zum erliegen – der Staat richtet es so schnell und so perfekt, dass keiner was merkt?

Wie lange soll das funktionieren? Wie lange will man den Leuten vormachen, dass die Corona-Krise nicht mit Zumutungen verbunden sein wird?
Glaubt man wirklich, die Spielchen aus der Klimapolitik ließen sich auf das Virus übertragen? Nach dem Motto: „Es ist zwar schlimm und wir müssen was tun – aber es darf keiner spüren?“

Müsste es nicht genau umgekehrt sein? Müsste nicht die Konfrontation mit den unvermeidbaren Zumutungen der Epidemie eine Art Modell dafür sein, dass wir auch mit den mittel- und langfristigen Bedrohungen mutiger und konsequenter umgehen sollten. Auch die Bekämpfung der Klimakrise wird in einigen Bereichen ans Eingemachte gehen (müssen).

Ich bin für jede Art von Hilfe und Unterstützung – aber hört auf den Menschen vorzugaukeln, es ginge ohne Zumutungen ab.
Und spart die Ressourcen für den Fall, dass aus Zumutungen echte Not wird.

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