24.03.2020

Vier Welten

Ich komme mir in diesen Tagen so vor, als lebte ich in vier verschiedenen Welten, die oft nur ein durch einen kleinen Spalt getrennt sind.

Da ist erstmal die alte, die Vor-Corona-Welt. Sie scheint manchmal noch zum Greifen nah – war sie doch noch vor ganz wenigen Wochen die eigentliche, selbstverständliche, normale Welt. Man könnte sich fast in ihr verlieren – für ein paar verträumte Minuten.

Dann gibt es die „private“ Corona-Konstellation. Sozusagen die persönliche Manifestation des Ganzen. Was betrifft mich wirklich im Hier und Jetzt? Was hat sich schon verändert? Wovor fürchte ich mich ganz konkret? Wie habe ich mich eingerichtet? Was gehen mich all die Nachrichten wirklich an? Wie isoliert und einsam bin und fühle ich mich? Wieviel Normalität kann ich leben?

Fast übermächtig erscheint die Medien- und Nachrichtenwelt. Hat man zwischendurch in der Privatwelt etwas Luft geschöpft, bekommt man hier die volle Dröhnung: Es kann richtig schlimm werden! Wer will oder sich ausgeliefert fühlt, kann 24 Stunden pro Tag Zahlen, Analysen, Erklärungen, Prognosen und Ratschläge bekommen – im Minutentakt. Mit ein bisschen Übung und den passenden Endgeräten lassen sich zwei Sendungen parallel schauen – und die Hände bleiben frei für einen kurzen Scroll der Online-Meldungen…

Ach ja – dann gibt es natürlich schon die vorgezogenen Nachbetrachtungen. Wie wird die Welt nach Corona aussehen? Werden wir mit traurigen Augen an die vergangenen, geradezu paradiesischen Zeiten zurückdenken? Oder werden wir gereift und geläutert neue Priorität für ein solidarisches und nachhaltiges Leben entwickeln?

Manche Menschen müssen in bzw. neben diesen gefühlten Corona-Welten noch ein richtiges Leben führen… Respekt!

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