Darf man die Serben nicht mögen?

Meine Betrachtung kommt ein paar Tage zu spät. Angesichts der zeitgeschichtlichen Zusammenhänge erscheint mir das akzeptabel.

Es gab mal wieder einen dieser Gedenktage. Es ging um die Greueltaten serbischer Milizen an tausenden Bosnischen Männern unter den Augen von UNO-Soldaten in Srebrenica vor 25 Jahren.

Es geht mir nicht um die Vergangenheit. Ich spüre Unverständnis und Befremden gegenüber der Unfähigkeit „der Serben“, zu bedauern, zu trauern, zu bereuen oder sonst auf irgendeine Weise Verantwortung zu übernehmen. Statt dessen fanden aufgeheizte und gewalttätige Demonstrationen gegen die eigene Regierung statt, die (endlich) nach politischen Lösungen der Kosovo-Frage sucht.

Ich weiß: Es gibt keinen „Volkscharakter“. Es gibt mit Sicherheit jede Menge vernünftige, friedfertige und liebenswerte Menschen in Serbien. Vielleicht zeichnet die Berichterstattung über dieses Land auch ein einseitiges Bild. Kann alles sein.

Was ich sagen kann: Alles, was bei mir in den letzten Jahrzehnten über die Mentalität und die politische Kultur in diesem Land angekommen ist, wirkt auf mich zutiefst unsympathisch (nationalistisch, militaristisch, dogmatisch). Und deshalb spüre ich Vorbehalte und gehe auf Distanz.

Ich mag wohl die Serben nicht besonders. So richtig schlimm finde ich das nicht. Für mich ist es auch okay, wenn jemand „die Deutschen“ nicht mag.

Serbien soll in die EU aufgenommen werden. Manche begründen das damit, dass man dieses „schwierige“ Land dann besser „einbinden“ könne. Ich bin nicht ganz sicher, ob wir nicht schon genug schwierige Mitglieder haben.

Aber das sollen andere entscheiden. Mein Bauchgefühl kann da wohl nicht helfen.

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