„Ein bitterkalter Nachmittag“ von Gerard DONOVAN

Bewertung: 2.5 von 5.

Es handelt sich um einen ziemlich sperrigen Text, der sich recht weit von geläufigen Erzählmustern entfernt.
In eine anfangs recht undurchsichtige Rahmenhandlung beleuchtet DONOVAN blitzlichtartig einige Episoden der Menschheitsgeschichte. Die zentralen Themen sind Macht und Gewalt, insbesondere in kriegerischen Auseinandersetzungen.
Der Autor bettet diese historisch-philosophischen Betrachtungen in einen leidenschaftlichen und konflikthaften Dialog zwischen zwei Männern ein, die sich in einer surrealen Ausnahmesituation begegnen: Der Ich-Erzähler (der Bäcker des Ortes) gräbt unter ungünstigsten klimatischen Bedingungen („bitterkalt“) eine Grube, während ein Lehrer ihn offensichtlich überwacht und ihn gleichzeitig zu einem Geständnis seiner Verfehlungen bringen will.

Es wird schnell deutlich, dass auch diese Situation vor dem Hintergrund eines aktuellen (Bürger-)Krieges stattfindet und sich die Frage einer möglichen Kollaboration mit dem Feind stellt. Die Schlagabtausch zwischen den beiden Protagonisten entfaltet sich auf beiden Ebenen: Sie streiten über die Einschätzung der diskutierten historischen Ereignisse und – zunehmend – über die Rolle des Bäckers in der aktuellen Besatzungssituation.
Das überraschende Ende der Geschichte steigert den Eindruck ihrer Kunstruiertheit noch zusätzlich. Ebenfalls unerwartet lugt im Finale ein Zipfel von Liebe in die insgesamt deprimierend menschenfeindliche Atmosphäre.

Das Buch wirkt insgesamt experimentell: DONOVAN spielt mit verschiedenen Stilmitteln, schreibt phasenweise eher assoziativ als stringent, erzeugt bei den Leser/innen widersprüchliche Gefühle – sicher auch Befremden und Verstörung.
Die Mainstream-Erwartungen an einen Roman werden ganz sicherlich enttäuscht.
Hier probiert ein Autor (es ist sein erster Roman) offensichtlich aus, was man mit Sprache und Erzählstrukturen so alles machen kann. Für Literatur-Freaks und Germanisten ist so ein wenig gefälliger Text sicher eine Fundgrube.
Mit seinen beiden Folgeromanen „Winter in Main“ und „In die Arme der Flut“ pflegt DONOVAN sein Sprachtalent und seinen scharfen Blick auf Menschen in dunklen Ausnahme-Settings weiter, nähert sich aber etablierteren Roman-Strukturen an. Für das breitere Lesepublikum ist das eindeutig ein Fortschritt.


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