„Winter in Maine“ von Gerard DONOVAN

Bewertung: 4 von 5.

Ein erfolgreiches Buch aus dem Jahre 2006, auf das ich durch den aktuellen Roman des Autors gestoßen bin.

Erzählt wird die Geschichte eines Mannes, der als eine Art Einsiedler in den Wäldern des amerikanischen Nordostens lebt. Was als eine Art Rückzugs-Idylle beginnt, verwandelt sich in eine besondere Art Psycho-Thriller.

Der treueste Begleiter des Protagonisten ist sein Hund. Aber da ist auch plötzlich noch eine Frau, mit der er ein kurzes Liebesglück in seiner einsamen Hütte erlebt. Der Verlust dieser beiden Bindungen zieht ihn einen Sog, aus dem es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

Dieses Buch packt einen mit unbändiger Kraft. Unvermittelt steht man in einem Abgrund von psychischer Zerstörung und Gewalt. Fassungslos verfolgt man die unaufhaltsame Entwicklung des tief verletzten Ich-Erzählers.

Es ist nicht der Handlungsfaden oder der Spannungsbogen, der diesen Roman zu einem bemerkenswerten Leseerlebnis werden lässt. Es ist die Sprach-Intensität, mit der DONOVAN sowohl die herbe und (im Winter) unerbittliche Natur als auch die innerpsychische Dynamik der Hauptfigur in Worte fasst. Die literarische Kompetenz des Autors liegt in der Kongruenz zwischen Inhalt und sprachlichem Ausdruck. Die Glaubwürdigkeit des – eigentlich unfassbaren – Geschehens beruht auf der geschaffenen Atmosphäre, vermittelt durch die subjektive Perspektive des Handelnden.

Es ist eine Geschichte, die am Rand spielt: an der Grenze der besiedelten Zivilisation und am Abgrund der menschlichen Psyche. Die Botschaft: Menschen, denen man die letzten Bindungen nimmt, können allen Halt und alle Hemmungen verlieren.
Dieser Roman erzählt von einem Extrembeispiel.

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