„Youth To Power – Eine Anleitung zum Handeln“ von Jamie MARGOLIN

Die inzwischen weltweit bekannte junge Aktivistin (Mitbegründerin der Klimabewegung „Zero Hour“) hat ein Buch für diejenigen jungen Leute geschrieben, die sich ebenfalls aufmachen wollen, um die Welt nach ihren eigenen Vorstellungen zu verändern.
Es ist eine Art Handbuch geworden, in dem sie ihre – inzwischen breitgefächerten – Erfahrungen in strukturierter Form darstellt und so konkrete Tipps und Handlungsanleitungen verfügbar macht.

JAMIE (der Vorname passt besser zum Stil des Buches) spricht ihre Zielgruppe direkt an, sie betrachtet sich dabei als gleichgesinnte Freundin mit einem Erfahrungsvorsprung, keineswegs als ein leuchtendes Vorbild oder gar als Heldin.

Es geht ihr nicht darum, für eine bestimmte Sache zu werben – auch wenn die Richtung natürlich klar ist: Alle Beispiele drehen sich um Klima, Anti-Rassismus, Anti-Diskriminierung, Transgender, soziale Gerechtigkeit. Die Autorin behandelt in ihrem Aktivisten-Leitfaden aber nicht den Inhalt, sondern die Struktur des politischen Handelns. Es handelt sich daher NICHT um ein Klima-Buch oder um die Sensibilisierung für Alltags-Diskriminierung.
Ausgangspunkt aller Überlegungen ist die eigene Erfahrung, die empfundene Ungerechtigkeit oder das persönliche Veränderungsziel. Die Frage nach dem persönlichen „Warum“ (also nach dem Motiv für das Aktivwerden) steht daher am Anfang.

Dann geht es ans Eingemachte: JAMIE behandelt die Wege und Methoden der politischen Einflussnahme mit bewundernswerter Akribie und Systematik: Wie finde ich gleichgesinnte Jugendliche? Wie schreibe ich einen Leserbrief? Wie nehme ich Kontakt zu meinem Abgeordneten auf? Wie mobilisiere ich die Presse? Wo finde ich Bündnispartner und Mentoren in der Erwachsenenwelt? Wie organisiere ich ein Event? Was muss ich über juristische und finanzielle Aspekte eines Projektes oder einer Demo wissen? Wie nutze ich die sozialen Medien? Welche Stolpersteine lauern in der internen Gruppendynamik? Usw., usw…

So eindeutig sich die Autorin auch zu der Notwendigkeit bekennt, dass die junge Generation ihre Interessen mit voller Kraft selbst vertreten muss – so klar definiert sie auch die Risiken und Grenzen eines solchen Engagements.
Es gehört eindeutig zu den größten Stärken dieses Buches, dass JAMIE nicht nur auf die Gefahren einer Selbstüberforderung und auf die Notwendigkeit hinweist, sich „normale“ Lebensbereiche zu erhalten; sie nimmt sogar eindeutig Stellung, wenn es um den Vorrang der eigenen Ausbildung und die Berücksichtigung familiärer Bezüge geht.
Hier stachelt an keiner Stelle eine radikale Aktivistin andere Jugendliche auf, sich ohne Rücksicht auf Verluste ganz einer Sache hinzugeben und diesem Ziel alles andere unterzuordnen. Hier hetzt auch niemand gegen die „böse Erwachsenenwelt“; im Gegenteil: Es wird immer wieder dazu ermutigt, sich dort Mitstreiter/innen zu suchen und auch die eigenen Eltern nicht außen vor zu lassen.

Die Autorin lebt in Amerika und das hat natürlich auch dieses Buch geprägt. So ist das Thema „People of Color“ (und damit rassistische Diskriminierung) an jeder Ecke spürbar. Aber JAMIE ist international vernetzt und sie unterstreicht diese Globalität der Jugendbewegung, indem sie am Ende jedes Kapitels eine Aktivistin aus anderen Teilen der Welt zu Wort kommen lässt.
An Selbstbewusstsein fehlt es der Autorin und ihren Mitstreiterinnen dabei sicher nicht. Sie ist überzeugt davon, dass Jugendliche besonders geeignet sind, sich den drängenden Zukunftsfragen zuzuwenden, weil sie noch nicht durch wirtschaftliche Interessen oder Abhängigkeiten vereinnahmt sind.

Vor dem Kauf des Buches sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Es geht hier nicht um ein gelegentliches Mitmarschieren bei „Fridays for Future“. Thema sind die konkreten, mühsamen und langfristig ausgerichteten kleinen Schritte der politischen Einflussnahme – aus der Perspektive von Jugendlichen, die selbst noch keine Wähler/innen sind, sich aber mutig und selbstbewusst einmischen wollen, um die Zukunft in ihrem Sinne zu gestalten.

Für diese Zielgruppe bietet dieses Buch geradezu eine Füllhorn an praktischen und alltagsnahen Anregungen. Man könnte ohne Übertreibung sagen: Dieses handliche und preiswerte Buch könnte ein unverzichtbares Standardwerk für die internationale Jugendbewegung werden.

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