„Blutige Nachrichten“ von Stephen KING

Zum Glück habe ich eine KING-Begeisterte in meinem Nahumfeld – so brauche ich nie zu entscheiden, ob ich für diesen sehr besonderen Erzähler mein Geld investiere. Zeit zu investieren, fällt mir – trotz großer Ambivalenz und sehr unterschiedlicher Erfahrungen – meistens nicht schwer. In der Regel siegt meine Neugier (wenn nicht gerade ein blutrünstiger Horror-Roman angekündigt wird).

KING legt ein Buch mit vier Geschichten vor, die alle vom Umfang deutlich über das Kurzgeschichten-Format hinausgehen. Während drei Stories ganz für sich alleine stehen, wird in der titelgebenden Erzählung ein früherer Roman („Der Outsider“) weitergesponnen. Auch diese Geschichte lässt sich natürlich losgelöst von der Vorgeschichte lesen und verstehen.

Für mich boten die drei neuen Geschichten ein großes Lese- bzw. Hörvergnügen. Die erzählerischen Fähigkeiten des Erfolgs-Autors kommen voll zur Geltung, ohne durch exzessive bzw. sadistische Gewaltdarstellung oder abstruse Ausflüge in alternative
Fantasy-Welten getrübt zu werden. Man spürt den typischen KING-Stil heraus, wird schnell in die Geschichten eingewoben und kommt den Figuren nah.
In den freundlichen Jungen aus der ersten Geschichte verliebt man sich ganz schnell; sie ist auf eine liebenswerte Art altmodisch.
Im zweiten Plot, der sehr ungewöhnlich beginnt, wird letztlich die Einzigartigkeit eines Einzelschicksals demonstriert und sogar ein wenig philosophisch betrachtet. Sinngemäß heißt es: „In jedem Menschen entsteht im Laufe seines Lebens eine ganze Welt – und genau die geht mit seinem Tod auch unter.“
In der letzten Story macht KING mal wieder das Schriftsteller-Handwerk selbst zum Thema, mit allen Höhen und Tiefen. Auch wenn der Verlauf ein wenig vorhersehbar ist, liest man doch gerne und gespannt zu Ende.
Unterhaltung vom Feinsten!

Den Outsider-Nachfolger hätte ich nicht gebraucht. Mich interessieren solche fiktiven Alternativ-Wesen nicht. Wer sich an solchen Monster-Figuren nicht stört, wird auch hier auf eine spannende Weise unterhalten.

Kurz gesagt: Der KING zeigt keine Altersschwäche. Aus meiner Sicht eines seiner besten Bücher. Auch wenn der Titel blutig klingt – der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Erzählen und nicht auf den Schocker-Effekten. So kann es gerne weiter gehen.

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