„Die Geschichte des Wassers“ von Maja LUNDE

Zweiter Versuch: Die Geschichte der Bienen habe ich abgebrochen, das Wasser habe ich durchgehalten. Das ist doch mal ein Anfang.

Die Norwegerin Maja LUNDE hat sich offenbar darauf spezialisiert, ökologische Themen in Romanform zu bearbeiten. Dabei generiert sie mehrere (diesmal zwei) Geschichten, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen (diesmal 2017 und 2041) und so den Verlauf der jeweiligen Umweltkrise von einer höheren Warte aus nachvollziehbar machen. So kann die in die Zukunft projizierte Handlung die Folgen der in der Gegenwart getroffenen (bzw. vermiedenen) Entscheidungen nachfühlbar machen.

Die Autorin wählt Figuren und Plots nach dem Schema „je extremer und emotionaler, desto besser“. Sie will offensichtlich die Leser durch Identifikation mit den leidvollen Schicksalen der Protagonisten aufrütteln und so eine Motivation schaffen, die – so offenbar ihre Annahme – durch durch eine sachliche Darstellung der Problematik nicht zu wecken wäre.
Anders formuliert: „Ich zeige dir an dramatischen Einzelbeispielen, wohin Klimawandel und Umweltzerstörung führen kann, und du kapierst endlich, dass es Zeit zum Handeln ist.“

Natürlich könnte man die Familien- und Paargeschichte der norwegischen Umweltaktivistin und das Leiden der Teilfamilie unter sengender südeuropäischer Sonne auch für sich als separate, sehr bewegende Stories betrachten. Ihren Zusammenhang und damit den Clou bekommen sie auf der einen Seite durch den Bezug zum Meta-Thema Wasser, zum anderen durch eine geschickt aufgebaute faktische Verbindung der Handlungsstränge.

Als relevantes Nebenthema lässt sich der Konflikt zwischen persönlichem Vorteil bzw. Glück und konsequentem Umwelt-Engagement nennen. Dieser Spannungsbogen zerreißt in der norwegischen Idylle Ehen, Familien und ganz Dorfgemeinschaften.

Mir ist dieser Weg, über fiktive Schicksale Umweltbewusstsein zu erzeugen, durchaus sympathisch. Von mir aus könnte es viel mehr solcher Bücher geben, die gerne den endlosen Reigen von blutrünstigen Thrillern und ewig gleichgestrickten Fantasy-Epen ablösen könnten.

LUNDE versteht es durchaus, emotionale Intensitäten zu erzeugen. Ob man das so braucht, ob man es ein wenig dolle und klischeehaft empfindet, ist letztlich Geschmackssache. LUNDE produziert Unterhaltungsromane, keine ernsthafte Literatur.

Der Titel „Die Geschichte des Wassers“ erscheint mir ein wenig vermessen zu sein. Man erfährt etwas über norwegische Gletscherflüsse, über die Kraft des Meeres und über die Folgen der Trockenheit (wenn auch die Meerwasserentsalzung versagt). Mit etwas Fantasie hätte man sich in einem solchen thematischen Roman noch ein paar mehr Informationen über eines der größten Zukunftsthemen der Menschheit vorstellen können.
Letztlich sind es zwei – im Wechsel erzählte – persönliche Geschichten, die sich um unseren Umgang mit dem zentralen Lebenselement drehen. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Gesamturteil: lesenswert, wenn man keine zu hohen Erwartungen hat und sich gerne auch mal durch altbewährte Stilmittel anrühren lässt.

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