„Die Stille“ von Don DeLillo

Bewertung: 3 von 5.

Bei mindestens zwei Literaturgattungen komme ich mit meinem bescheidenen Möglichkeiten schnell an meine Grenzen: bei den Klassikern der Weltliteratur und bei experimentellen Schreibstilen.
Der (sehr kurze) Roman von DeLillo gehört eindeutig zu der zweiten Gruppe.
Die folgenden Anmerkungen können daher nur als Versuch angesehen werden, erste subjektive Eindrücke zu formulieren.

Was mir zuerst auffällt: Ein verstörendes Ereignis – ein großflächiger Stromausfall – wird in einer verstörenden Weise literarisch dargeboten. Übliche Erzählstrukturen werden aufgebrochen, Dialoge sind episodenhaft eingefügt, Inhalte werden eher assoziativ als in logischer Abfolge vermittelt. In die Schilderung konkreter Abläufe mischen sich grundsätzliche, abstrakte Gedanken. Es geht eher um Atmosphäre als um Zusammenhänge. Strukturen lösen sich auf – in der Realität und in ihrer Beschreibung. Sicherheit, Berechenbarkeit und Klarheit gehen verloren. Sprünge sind eher die Regel als die Ausnahme.

Die aufgespannte Rahmenhandlung: Drei Personen in einer Wohnung warten auf zwei Besucher, die nur knapp einer Flugzeugkatastrophe entgehen. Ziel des Treffens war das gemeinsame Zelebrieren eines sportlichen Großereignisses. Die Besucher kommen verspätet, der Bildschirm bleibt dunkel. Ratlosigkeit, Weltuntergangsängste – zwischendurch der Versuch, Normalität zu inszenieren.
Die Beziehungen zwischen den fünf Personen werden eher in Momentaufnahmen – wie mit einem Blitzlicht – beleuchtet; ein zusammenhängender „Film“ entsteht nicht.

Mit den normalen Ansprüchen an einen Roman, an eine Story, komme ich bei diesem Buch nicht weiter. Ich kann mich anmuten lassen, kann die Grundstimmung der Verunsicherung, der Auflösung von Gewissheiten, der Bruchstückhaftigkeit auf mich wirken lassen. Mehr passiert bei einem ersten Lesen nicht.
Zwei Wege ständen noch offen: Ich könnte mich schlau machen über diesen – vielfach preisgekrönten – Autor und mich damit ihm und seiner literarischen Arbeit intellektuell nähern.
Oder ich könnte den Roman (nach einer kleinen Pause) nochmal ganz in Ruhe lesen und mich – eher emotional – auf die Feinheiten einlassen.

Ich weiß noch nicht, welche Alternative ich wählen werde. Vielleicht gestehe ich mir auch ein, dass mein literarisches Verständnis und Aufnahmevermögen auf den Mainstream beschränkt ist.

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