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25.01.2023 Der Koran und die NATO

Foto von Abdulmeilk Aldawsari: https://www.pexels.com/de-de/foto/graustufenfoto-des-geoffneten-korans-36704/


In Schweden wurde bei einer rechtslastigen Demonstration ein Koran verbrannt – natürlich medienwirksam inszeniert. Das war keine besonders intelligente Aktion – Bücherverbrennungen haben zu recht keinen guten Ruf.
Es sollte halt eine Provokation sein – die im (immer noch) liberalen und säkularen Schweden nicht verboten ist.

Wer ist Nutznießer dieser Aktion?
Natürlich Erdogan, der gerade mit allen Mitteln versucht, trotz Wirtschaftskrise und galoppierender Inflation noch einmal wiedergewählt zu werden.
Da kann man doch ein brennendes Buch als neuen „Beweis“ dafür nehmen, dass Schweden auf der falschen Seite steht und den eigenen Anhängern dadurch Macht demonstrieren, dass man gegen alle anderen NATO-Mitglieder den Beitrag Schwedens blockiert.
Das ist der Politik-Stils eines Verbündeten! Das ist nur schwer zu ertragen…

Ein Politik-Wechsel in der Türkei wäre ein großes Geschenk für Europa und die NATO.
Wir werden leider noch eine Menge schräger Aktionen erleben, die den Machterhalt Erdogans sichern sollen. Ob die deutsche oder europäische Diplomatie darauf eine Antwort finden wird, ist sehr zweifelhaft.

24.01.2023 Über 10%?

Foto von Pixabay: https://www.pexels.com/de-de/foto/verschiedene-banknoten-und-runde-silberfarbene-munzen-210574/

Mich stört die Maßlosigkeit der aktuellen Lohnforderung von Ver.di.
Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn vor allem die unteren Lohngruppen einen deutlichen Aufschlag bekommen – angesichts der gestiegenen Preise gerade für Nahrungsmittel.
Mich nervt aber die Erwartungshaltung von Menschen, die scheinbar selbstverständlich davon ausgehen, dass möglichst alle Konsequenzen der eingetretenen Krisenlage irgendwie ausgeglichen werden müssen: durch diverse Sonderzahlungen des Staates, Energiebeihilfen und dann noch durch vollen Inflationsausgleich beim Lohn.

Wenn es – nachgewiesenermaßen – infolge des Krieges in der Ukraine einen deutlichen volkswirtschaftlichen Wohlstandsverlust gibt: Warum darf das die Bevölkerung eigentlich nicht zumindest ein wenig spüren? Warum sollen auch Gehälter von gutverdienenden Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst um 10% steigen? Müssen wir alle finanzielle Lasten den zukünftigen Generationen aufhalsen, um aktuell jede Unzufriedenheit im Keim zu ersticken?

Wo sind die Politiker/innen, die sich angesichts der notwendigen Kraftanstrengungen (Klima, Infrastruktur, Sicherheit, Bildung, globale Gerechtigkeit…) mal dezent darauf hinweisen, dass es vielleicht mal ein paar Jahre weniger um die private Wohlstandsvermehrung geht, sondern um die Gestaltung und Sicherung der Zukunft.

(Ja, ich weiß: 10,5% ist erstmal nur eine Forderung und kein Abschluss. Aber das ändert nichts am Prinzip).

23.01.2023 Insekten essen?

Bild von ivabalk auf Pixabay


In der EU dürfen ab morgen zwei Insektenarten als Lebensmittel eingesetzt werden; für acht weitere Arten laufen entsprechende Anträge. In anderen Teilen der Welt stellen Insekten und anderes Kleingetier schon lange eine wertvolle Proteinquelle dar.
Wollen wir das wirklich auch bei uns?

Ja, wir sollten es wollen!
Im Vergleich mit dem, was sich bei uns in den Fabrik-Ställen, Schlachthöfen und in der Fleischverarbeitung abspielt, ist der Einsatz von Insekten & Co ganz sicher eine deutlich weniger ekelige Sache. Wie wir alle wissen, ist das alternative Verzehren von noch mehr Fisch aus mehreren Gründen keine annehmbare Alternative.
Das in der Insektenzucht hergestellte Protein produziert weniger Emissionen, benötigt viel weniger Ressourcen und verursacht weniger Tier-Leid (weil die Empfindungs- und Leidensfähigkeit deutlich geringer ist als bei den von uns bevorzugten Tieren).
Und die Ekel-Schwelle? Wir werden das Insekten-Eiweiß sicher in der Regel nicht in Form von erkennbaren Tieren zu uns nehmen; es geht also um eine reine gedankliche Umstellung.
Das wird schon zu schaffen sein…

21.01.2023 Einzelmensch und Geschichte

Vor ca. einer Woche habe ich die Lektüre eines Buches beendet, in dem der Frage nachgegangen wurde, in welchem Umfang einzelne Führungspersönlichkeiten für den Verlauf des letzten Jahrhunderts prägend waren (zur Rezension).
Seit fast einem Jahr stellen sich zahllose Menschen mit zunehmender Ratlosigkeit die Frage, ob bzw. wie tatsächlich im 21. Jahrhundert ein einzelner Machthaber – Putin – die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Entwicklungen so weitreichend beeinflussen kann.
Was sagt das über das zivilisatorischen Niveau einer vermeintlich „intelligenten“ Spezies aus, wenn die globalen Organisationen und Institutionen fehlen, die solche Rückfälle in überwunden geglaubten Imperialismus verhindern könnten?
Natürlich war unser Planet auch vor dem Ukraine-Krieg alles andere als ein friedlicher Ort. Und doch macht es einen großen Unterschied, dass sich jetzt in ganz Europa auf einmal eine militärischen Perspektive auf Gegenwart und Zukunft in die Mitte der Gesellschaft gedrängt hat.
Die eingeleiteten Entwicklungen werden in den nächsten Jahren weltweit Billionen von Euro verschlingen und sind dabei auch noch ein ökologischer Wahnsinn: Energie und Ressourcen in ungeahntem Ausmaß werden verschwendet, um der Bedrohung durch einen autokratischen Herrscher und seiner Clique etwas entgegenzusetzen.

Leider ist keine Lösung in Sicht. Der Gedanke, dass das alles von den Einstellungen, Motiven und Entscheidungen eines einzelnen Menschen abhängen könnte, ist kaum zu ertragen…


„Feuerkind“ von Lone Stephen KING

Bewertung: 3.5 von 5.

Diese Rezension bezieht sich auf die aktuell erschienene Hörbuch-Ausgabe des bereits 1980 erschienenen Romans, die vermutlich durch die 2022 erfolgte Neuverfilmung („Firestarter“) angeregt wurde.
Die Interpretation durch den Kult-Sprechen David Nathan ist auch in diesem Fall beeindruckend und über jeden Zweifel erhaben; ihm zuzuhören ist eindeutig ein Genuss.

Das Feuer-Mädchen (Charlie) ist die Tochter von Eltern, die während ihres Studiums an einem mehr als zweifelhaften medizinisch-psychologischen Experiment teilgenommen haben. Die damals verabreichte Droge führte letztlich dazu, dass die Mutter telekinetische Fähigkeiten entwickelte, der Vater (Andy) seine Mitmenschen durch Gedankenkraft beeinflussen konnte und Charlie durch Willenskraft Feuer entfachen konnte.

Das Buch handelt davon, wie eine geheime Regierungsorganisation („Die Firma“) mit allen Mitteln versucht, sich der Personen (Andy und Charlie) und ihrer Fähigkeiten zu bemächtigen. Auf der anderen Seite werden wir Zeugen davon, wie die beiden ihre parapsychologischen einzusetzen versuchen, um sich diesem Zugriff zu entziehen bzw. sich daraus zu befreien.

Je nachdem, wie man zu dem typischen Stil von KING steht, wird man entweder eine toll erzählte Thriller-Story wahrnehmen, die durch entsprechende Schocker-Elemente „veredelt“ wird – oder man wird hier einen reichlich abstrusen Plot vorfinden, der nur den einen Zweck hat: möglichst viele drastische Gewalt-und Horrorszenen unterzubringen.

Nun wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln, dass KING ein Erzähl-Genie ist. Mit einer relativ einfachen und geradlinigen Sprache schafft er es auch in diesem Roman, dass man schnell in die Geschichten hineingezogen wird. Dabei ist sein besonderes Markenzeichen der Einsatz besonders origineller sprachlicher Vergleichsbilder; die gelingen im auch beim Feuerkind immer wieder sehr gut.
Natürlich hängt die Qualität einer Erzählung auch von der Stimmigkeit der beschriebenen Figuren ab. Bei Charlie stellt sich wiederholt die Frage, ob man ihre Entwicklung und ihr Agieren mit den psychologischen Optionen eines so jungen Mädchens vereinbaren kann. Ihr Gegenspieler ist in einer solchen Überzeichnung die Inkarnation des Bösen, dass diese Figur nicht gerade vor Glaubwürdigkeit strotzt.
Was die innere Logik und den Spannungsbogen angeht, ist dieser Roman ebenfalls nicht besonders überzeugend – insbesondere hinsichtlich der Machtverteilung zwischen „Gut“ und „Böse“. Es erscheint eher willkürlich, wann und in welchem Ausmaß die besonderen Begabungen der beiden Protagonisten handlungsentscheidend sind.

KING-Fans werden sich trotzdem ohne Zweifel vortrefflich unterhalten fühlen. Dem Sog der Identifikation mit dem „Guten“ (also mit Charlie und einigen wenigen Unterstützern) kann man sich kaum entziehen. Natürlich schafft es KING auch in diesem Werk, dass man sich kaum dem Impuls entziehen kann, die Gegenspieler gnadenlos ausmerzen zu wollen. Dann weidet man sich (je nach eigener Aggressionshemmung) geradezu genussvoll an den grausamen Folgen der Zusammenstöße.
Das KING-Publikum liebt es einfach, wenn die – sonst so komplexe – Welt für ein paar Stunden so klar und eindeutig gegliedert ist.

Letztlich ist das Feuerkind ein typischer KING – sicher nicht einer seiner besten. Ein Hörbuch-Erlebnis ist er – dank David Nathan – auf jeden Fall.

20.01.2023 Neue Klima-Koalition?

Ein geschickter Schachzug:
Wie der SPIEGEL heute meldet, bietet der CDU-Politiker Jung unserem Vizekanzler Habeck Unterstützung in der Verkehrspolitik an. Er macht sich dabei den Konflikt um die Verzögerungspolitik (um es nicht Sabotage zu nennen) des FDP-Verkehrsminister Wissing zunutze und schlägt eine ganze Reihe von ökologisch-sinnvollen Maßnahmen zur Reduzierung der CO2-Emmisionen insbesondere beim Autoverkehr vor.
Das kann man ja erstmal begrüßen!

Zu vermuten ist allerdings, dass nicht nur reines Umwelt-Engagement dahinter steckt.
Einmal könnte so eine Schützenhilfe von der Seite den inneren Ampel-Konflikt natürlich noch befeuern und nach außen zusätzlich sichtbar machen.
Zum anderen könnte man in diesem Vorstoß einen dezenten Wink in Richtung Zukunft sehen: Vielleicht lohnt sich ja für die GRÜNEN demnächst die Überlegung, ob sie ihre Klimaziele eher mit der Union als in der Ampel-Konstellation verwirklichen können…

Mir wäre das alles recht – wenn es nur die FDP unter Druck setzen würde, sich endlich aus der Verweigerungsecke herauszubewegen. Es muss u.a. endlich (finanziell) bestraft werden, besonders große bzw. umweltschädliche Autos zu fahren. Noch immer setzt die deutsche Autoindustrie auf überdimensionierte und übermotorisierte Dinosaurier-Fahrzeuge (leider auch im Elektro-Bereich).


19.01.2023 Streikland Frankreich

Bild von Andrea auf Pixabay

Die Franzosen sind für ihre Widerstandskraft bekannt. Insbesondere für soziale Errungenschaften bzw. deren Bedrohung gehen sie gerne, oft und hartnäckig auf die Straße. Vor einigen Jahren haben die sog. „Gelbwesten-Proteste“ das Land an die Grenzen seiner Regierbarkeit gebracht – obwohl der Anlass einen sinnvollen ökologischen Kern hatte.

Die Frage ist nur: Ist grundsätzlich jede Korrektur traditioneller Regelungen automatisch ein Ausdruck eines heimtückischen, von Profitinteressen motivierten Sozialabbaus? Ist ein Präsident, der – wie im aktuellen Fall – die Rentengesetzgebung an den demografischen Wandel und die europäischen Maßstäbe anpassen will, damit zwangsläufig ein „Präsident der Reichen“?

Ich wünsche mir durchaus eine aufgeklärte und demokratisch aktive Bevölkerung, die auch für eigene Interessen zu kämpfen bereit ist. Was ich nicht mag, ist ein reflexhaftes Reagieren wie auf Knopfdruck. Manchmal gehört es zu einem verantwortlichen Regierungshandeln eben dazu, Probleme auf eine Art zu lösen, die bei einzelnen Gruppen auch zum Verlust von liebgewordenen Wohltaten oder Privilegien führt. Gelegentlich erfordern andere Zeiten bzw. andere Umstände eben auch andere Entscheidungen.
Im Kampf gegen den Klimawandel wird da noch einiges auf uns alle zukommen.

Ich finde, mit diesem Gedanken sollten sich auch die kämpferischen Franzosen gelegentlich mal vertraut machen.


18.01.2023 CO2-Trickserei

Bild von Pixource auf Pixabay

Die morgige ZEIT-Ausgabe titelt: „Der Klima-Betrug“. In einer offenbar aufwendig recherchierten Analyse wird aufgedeckt, dass die CO2-Zertifikate, durch die Firmen ihre eigenen Emissionen kompensieren können, in einem beträchtlichen Umfang eine Mogelpackung darstellen. In der Berechnung und Zertifizierung der Projekte (meist geht es um die Bestandssicherung von Wäldern) kommt es wohl häufig zu unrealistischen Angaben. Das bedeutet, dass die behauptete Klima-Neutralität oft faktisch nicht erreicht wird.

Ich stelle mir die Frage, wie diese Nachricht wohl auf die jungen Klima-Aktivisten wirkt, denen man gerade vermitteln möchte, doch bitte zukünftig wieder mehr Geduld, Kompromissbereitschaft und Respekt vor dem Rechtsstaat aufzubringen.
Wäre es nicht verständlich, wenn solche halbseidenen Tricksereien (um es vorsichtig auszudrücken) Wasser auf die Mühlen derjenigen wären, die nicht mehr an demokratische Lösungen glauben und den Weg in eine Radikalisierung für alternativlos betrachten?

Ich habe mich sogar kurz bei dem Gedanken erwischt, dass solche Informationen besser nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollten – damit nicht alle wohlmeinenden Bemühungen in Pauschalverdacht geraten. Aber das kann natürlich nicht die Lösung sein…

Also muss es darum gehen, das System zu verbessern und alle Optionen zu nutzen; auch den Handel mit CO2-Zertifikaten.


„Liebe“ von Lone FRANK

Bewertung: 4.5 von 5.

Wenn am Tag nach dem Erscheinen eines Buches eine Rezension gepostet wird, dann sagt das sowohl etwas über den Verfasser (hat Zeit, ist interessiert und motiviert), als auch über die Publikation aus: Was macht also dieses Buch so anregend, informativ oder bewegend, dass ich davon nicht lassen konnte?

Die dänische Neurobiologin und Wissenschaftsjournalistin Lone FRANK hat ein „persönliches Sachbuch“ geschrieben. Dabei stellen die privaten Voraussetzungen und Fragestellungen deutlich mehr als eine Rahmenhandlung für Sachinformationen dar: Die Autorin verwebt ihre Biografie geradezu mit den fachlichen Inhalten und stellt ihren individuellen Erkenntnisprozess als einen integralen Bestandteil der Sachbotschaft dar.
Geschaffen wird so ein Geflecht von Erkenntnissen und Bezügen, in denen es keiner Fallbeispiele mehr bedarf. Die Autorin stellt sich selbst als solches zur Verfügung – was den Vorteil hat, dass sich Zusammenhänge im Längsschnitt einer ganzen Biografie zeigen lassen.
Das geradezu monumentale Thema „Liebe“ wird durch die Privatheit des Zugangs auch verfügbar gemacht: Statt der systematischen Gliederung eines Fachbuchs folgen wir der Autorin auf ihrem eigenen Weg durch das Labyrinth dieses „Höchsten der Gefühle“ – schauen ihr dabei zu, wie sich Perspektiven und Aspekte zusammensetzen und mit eigenen Erfahrungen verschmelzen.

FRANK hat den (ebenfalls biografisch unterfütterten) Anspruch, sich dem Thema „Liebe“ wissenschaftlich zu nähern. Sie führt Gespräche mit Fachleuten, zitiert zahlreiche Autoren/Autorinnen, stellt Forschungsergebnisse dar und lässt sich auch bei ihrer Selbsterkundung fachlich begleiten.
Berührt werden alle erdenklichen Zugänge: evolutionäre, genetische, hirnphysiologische, hormonelle, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische, historische, kulturelle, mediale usw.
Auch thematisch ist der Blick weit gefasst: Angefangen von der Brutpflege bei (bestimmten) Säugetieren, über Eltern/Kind-Liebe, Bindung, Verliebtheit, Spielarten längerfristiger Beziehungen, Eifersucht, Polyamorie, Freundschafts-Liebe, Tierliebe, digitale Partnersuche – bis zur aktuellen Einsamkeits-Problematik.
Der – vielleicht etwas ungewöhnlich intensive – Blick auf Trauer um eine verlorene Liebe erklärt sich durch die persönliche Ausgangslage der Autorin: Für sie war der Verlust eines geliebten Partners der Startpunkt für ihre Reise durch das Liebes-Land.

FRANK lässt nicht nur ihren Erkenntnisprozess und die damit verwobene Selbstreflexion recht frei fließen, sie dokumentiert das auch in der (Nicht-)Gliederung ihres Textes. Das Buch kommt ohne Kapitel- oder Zwischenüberschriften aus und hat entsprechend auch kein Inhaltsverzeichnis. Der Sachbuchcharakter beweist sich dann an anderer Stelle: durch ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Wie der breitgefächerte Zugang erwarten lässt: Natürlich steht auch am Ende dieses Buches keine „Antwort“ – weder darauf, was genau die Liebe ausmacht, noch auf die Frage nach der persönlichen Liebesfähigkeit (und deren Grundlagen). Das Gebiet ist komplex und unübersichtlich, aber es lassen sich Schneisen schlagen und manchmal erreicht man einen Aussichtspunkt, der ein wenig Überblick ermöglicht. Auch hier passt dann die vielzitierte Weisheit: „Der Weg ist das Ziel“.

Positiv ist zu bewerten, dass FRANK immer wieder darauf aufmerksam macht, dass man seine Liebes-Persönlichkeit eben nicht selbst basteln und frei wählen kann. Gerade die Vielfältigkeit und Komplexität der Einflussfaktoren sollte daher zu einer gewissen Bescheidenheit bzgl. der Selbstoptimierung führen. Überhaupt warnt die Autorin eher vor dem Druck, der von verfestigten Bildern und Normen ausgeht (z.B. hinsichtlich des Verliebtheits-Rausches als zwingend notwendiger Anfangsphase).
Auf der anderen Seite sieht FRANK aber keinen Grund zum Fatalismus: Da das Zusammenspiel von Biografie, Gefühlsprägungen, kognitiven Einstellungsmustern und konkretem Verhalten so verschachtelt ist, können eben auch gewisse „Umprogrammierungen“ stattfinden (indem man durch ein anderes Denken oder Verhalten auch Gefühle beeinflusst).

Wenn auch das Buch für ein „vorgebildetes“ Publikum nur wenige inhaltliche Neuigkeiten bereithält, so gehen doch einige der Überlegungen zu aktuellen gesellschaftlichen Trends deutlich über ein etabliertes Fachbuchwissen hinaus. Zusätzlich laden die persönlichen Anmerkungen und Bewertungen der Autorin immer wieder zu Reflexion oder Diskussion ein.
Für Menschen, denen z.B. die Feinheiten der Bindungstheorie, die hormonellen Grundlagen von Verliebtheit/Liebe und die Aspekte bzw. Methoden der Liebes-Forschung bisher nicht vertraut waren, erhalten eine wirklich fundierte Einführung in dieses Forschungsfeld.
An einigen Stellen mag man vielleicht doch mal eine Systematik vermissen oder die privaten Einstellungen der Autorin für weniger bedeutsam halten.

Insgesamt ein tolles und extrem anregendes Buch – das gerade durch seinen subjektiven Zugang ein buntes Kaleidoskop an Perspektiven und Betrachtungen enthält und damit für jede/n Liebes-Neugierige/n etwas zu bieten hat.

17.01.2023 Man kann es nicht richtig machen…

Von Daniel Biskup – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=85529860

Man stelle sich ein Parallel-Universum vor, in dem Scholz sich für eine neue weibliche Verteidigungsministerin entschieden hätte.
Egal, wer es geworden wäre: Die Dame hätte unter dem Generalverdacht gestanden, in erster Linie wegen des Geschlechter-Proporzes ausgewählt worden zu sein. Es hätte wütende Kommentare gegeben, dass der Ampel die Gender-Korrektheit wieder mal wichtiger als die Fachkompetenz gewesen wäre.
Man kann sich all das lebhaft vorstellen…

Jetzt darf die versammelte Medienwelt auf die andere Seite springen: Scholz habe sich als unzuverlässig und wankelmütig erwiesen und gebe das hehre Ziel der Parität bei erster (zweiter) Gelegenheit einfach mal so nebenher auf.

Ich würde in dem Parallel-Universum besonders gerne mal prüfen, in wie vielen Fällen es dann die gleichen Personen wären, die genau die andere Entscheidung ebenfalls kritisieren würden…

(Zu weiteren Tages-Gedanken)