20.03.2020

Corona und Generationen-Gerechtigkeit

Das ist doch mal kluge Public-Relation: Deutschland geht in die Knie – hauptsächlich um das älteste Drittel der Bevölkerung zu retten – und die Bundesregierung kündigt an, dass die Rentenerhöhung am 01.07. pünktlich kommt und großzügig ausfällt.
Bravo! So sammelt man Punkte bei der jungen Generation!

Mal ehrlich: Wenn schon die ganze Gesellschaft und ein Großteil der Wirtschaft innehalten muss – darf man dann vielleicht noch ein paar Wochen abwarten, was nun genau mit der Rente wird (werden kann)? Vielleicht müssen ja – so rein zufällig – auch die Alten, die ansonsten von allen finanziellen Risiken ausgenommen sind, einen kleinen Beitrag leisten?! Vielleicht gibt es gute Gründe, die Erhöhung zumindest mal ein paar Monate auszusetzen, oder vielleicht zu halbieren…
Zumutungen für alle – nur nicht für die Rentner?? Geht’s noch?

Natürlich, es ist völlig korrekt, dass große Anstrengungen unternommen werden, um (vordringlich) ältere Menschen vor dem Virus zu schützen. Das gebietet die gesellschaftliche Solidarität. Und – man sollte fair bleiben – die gleich Anstrengungen würden auch unternommen, wenn (rein theoretisch) die mittlere oder junge Generation besonders bedroht wäre.

Trotzdem kann man eine gewisse Schieflage nicht so völlig von der Hand weisen: Wir halten unser gewohntes Leben an, verballern in wenigen Monaten die Rücklagen und Reserven von vielen satten Wirtschaftsjahren, um den völligen Kollaps zu verhindern. Und wir trauen uns, von den ganz Jungen Einsicht und Solidarität einzufordern.
Das Argument: Die Wissenschaftler sagen uns, dass eine große Bedrohung auf uns zukommt, wir müssen handeln, schnell und konsequent, Geld darf keine Rolle spielen!

Ähh…., war da nicht mal was? Was mit Wissenschaftlern und Bedrohungen?
Ach ja die Sache mit dem Klima!
Womit haben diese jungen Leute nochmal argumentiert?
Gut, vieles klang ja vernünftig – aber was das kosten würde? Und dann die Auswirkungen auf die Wirtschaft…
Da muss man doch realistisch bleiben – zumal die Auswirkungen auf Europa ja noch zwei, drei Jahrzehnte auf sich warten lassen könnten…

Ja ich weiß, ich arbeite mit dem Holzhammer; ihr seid ja nicht blöd.
Sagen wir es platt: Wir („Alten“) verlangen jetzt diese nahezu grenzenlose Solidarität von genau der Generation, die wir seit Jahren vertrösten mit Hinweisen auf das „Machbare“! Die von uns – bisher weitgehend erfolglos – erwartet hat, dass wir wegen ihrer Zukunft auch über Einschränkungen hier und heute nachdenken.
Wir sind schon ganz schön dreist, irgendwie!

Die Gesellschaft soll stillstehen, damit möglichst viele der Alten überleben.
Okay, so soll es sein.
Aber danach sind die anderen dran, die Jungen und ihre Zukunft. Auch da geht es ums Überleben. Und das dürfte dann sogar ein paar Rentenprozente kosten!
Das wäre mal ein Deal!

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2 Antworten auf „20.03.2020“

  1. Die Nachricht mit der Rentenerhöhung habe ich auch gehört und noch gedacht: unsensibler geht es kaum! Den Zusammenhang mit der Klimadebatte und dem Generationenkonflikt hast Du sehr gut erkannt und benannt. Vielleicht wird ja das Datum der Rentenerhöhung wirklich noch mal verschoben, wenn das finanzielle Ausmaß des Disasters durch Corona erst absehbar ist! Vielleicht sollte man dann auch die Rente vielleicht nicht prozentual anheben, sondern nur durch einen fixen Betrag, der dann eher den kleinen als den großen Rentenempfängern nützt ( vielleicht zusätzlich noch die Rentenerhöhung spenden -als bundesweite Initiative? )

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