„Der fürsorgliche Mr. Cave“ von Matt HAIG

Bewertung: 3.5 von 5.

Der Autor hat einen sehr speziellen Stil, sich in die Tiefen der menschlichen Psyche einzugraben. Er lässt die alltäglichen Szenarien hinter sich, schafft durch ungewöhnliche Konstellationen erweiterte Perspektiven, schert sich dabei auch nicht um Grenzen der physikalischen Gesetzmäßigkeiten von Zeit und Raum. Sein Ziel scheint immer zu sein, intensive Emotionen zu wecken, die Leser/innen intensiv zu berühren und auf jeden Fall ein irgendwie besonderes Leseerlebnis zu vermitteln.
„Mr. Cave“ lässt sich problemlos einreihen in dieses literarische Konzept.

Diesmal liegt die Quelle der Intensivierung des Geschehens in den extremen Schicksalsschlägen des gleichnamigen Antiquitäten-Händlers, dessen Familie gleich von mehreren tragischen Todesfällen betroffen ist.
HAIG schildert die psychischen Folgen der entstandenen Traumatisierung in einer geradezu schonungslosen Konsequenz, die einem immer stärker den Atem verschlägt. Was mit einer gesteigerten „Fürsorge“ gegenüber der verbliebenen Tochter beginnt, entwickelt sich in einer immer pathologischeren Dynamik zu einem ganzen Katastrophen-Tsunami.

Als Leser/in wird man in diesem Buch durchaus gefordert. Es ist nicht immer ganz leicht, diesem Plot „tatenlos“ beizuwohnen. HAIG schafft es (wieder einmal), dass man kaum unbeteiligt bleiben kann.

Mich hat letztlich das „Extreme“, die geradezu versessene Steigerungslogik, irgendwann innerlich aussteigen lassen. Es war mir dann doch ein wenig zu unwahrscheinlich, zu konstruiert. Vielleicht ist eine solche Reaktion ja auch eine Selbstschutz-Strategie, um die eigenen Gefühle zu regulieren…
Mein HAIG-Lieblingsbuch ist Mr. Cave ganz sicher nicht geworden. Vielleicht wird es trotzdem wieder eine Kult-Roman, weil er die menschliche Psyche auch diesmal wieder ausreizt. Nach dem Motto: Durchschnitts-Bücher sollen doch anderen schreiben….

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