„Lindenberg! Mach dein Ding“

Ein Spielfilm ist keine Dokumentation – auch wenn die Vorlage ein echtes Leben eines echten Menschen ist. Über den Menschen Udo Lindenberg gab es auch im Vorfeld schon viele Informationen und zahlreiche Legenden, die sich zu individuellen Bildern manifestiert haben. Mit solchen Bildern muss jetzt dieser Film über den Vorlauf und die Anfänge von Udos Karriere konkurrieren.
Vermutlich fällt die Bewertung des Filmes daher besonders subjektiv aus.
Vielleicht gilt ja die Regel: Je weniger vorgefertigte Schablonen der Kinobesucher mitbringt, desto ungestörter kann sich die filmische Bildersprache entfalten.

Dieser Film ist eine Mischung, ein Kompromiss. Er versucht sich einerseits an biografischen Zusammenhängen und damit auch an Erklärungen – andererseits schwelgt er in langen Szenen, in denen es wohl nur um Atmosphäre gehen soll.
Wer mit eindeutigen Erwartungen in diesen Film geht, kann daher so oder so enttäuscht werden.

Es geht um die Person Udo und seine ersten Lieben, es geht um zeitgeschichtliche (spießig-verlogene und hedonistisch-abgedrehte) Lebensgefühle, es geht um Kunst (Popmusik) und Kommerz. Und es geht – in ausnahmslos allen gezeigten Milieus – um massiven Alkoholmissbrauch (das Ganze „Konsum“ zu nennen, wäre ein abstruse Untertreibung).
Der Alkohol ist so präsent, dass sich nach einiger Zeit eine natürliche Abwehr entwickelt und man es einfach nicht mehr sehen möchte. Und man kann es – bei allem Verständnis für jugendliche und szenebedingte Besonderheiten – auch irgendwann nicht mehr verstehen.
(Das ging mir übrigens bei der Autobiografie genauso).

Der Film zelebriert „Sex and Drugs and Rock’n Roll“ überwiegend in der speziellen Ausprägung des Hamburger Reeperbahn-Milieus. Der junge Trommler (ja, Udo war zunächst ein – ganz erfolgreicher – Schlagzeuger) schlägt sich in der halbseidenen Welt von Sex und Musik so durch und wird von der diffusen Idee getragen, irgendwann sein großes DING zu machen.
Dieses DING ist natürlich die Rockmusik mit authentischen deutschen Texten – jenseits von Herzschmerz.
Der Film endet an der Stelle, wo ihm diese Idee einen Plattenvertrag über 1 Million einbringt.

Gestört hat mich, dass es einige Lücken in der Darstellung seiner Biografie gab: So ist zwar das Kind Udo zu sehen, kaum aber der Jugendliche, der langsam in die Welt der Kneipen-Musik hineinstößt. Gefehlt hat mir auch die Zusammenarbeit mit dem Jazzer Klaus Doldinger (Passport), die ja schon einiges Renommee einbrachte.
Die Beziehungsdynamik in seinem Familiensystem im spießigen Gronau war dagegen ganz gut nachvollziehbar.

Die Bilanz: Wenn man seine biografische Selbstdarstellung kennt, braucht man diesen Film nicht – zumindest nicht als Informationsquelle.
Dass ein Stück Zeitgeschichte gekonnt in Szene gesetzt wurde, kann man sicher begrüßen.
Begeisterung hat dieser Film bei mir letztlich nicht ausgelöst – aber auch keinen wirklichen Frust. Vielleicht ein wenig Enttäuschung – wegen der vielen eigenen Bilder….

(Tut mir leid, dass ich nichts übe die cineastischen Qualitäten des Filmes gesagt habe. Da fehlt mir einfach der fachliche Hintergrund…).

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Eine Antwort auf „„Lindenberg! Mach dein Ding““

  1. Hi Frank,
    Ich hatte die Kritiken und Beiträge über den Film im Fernsehen und den Printmedien schon verfolgt und kann Deine Einschätzung sehr nachvollziehen, war mir vorher schon nicht sicher, ob ich den Film sehen will, bin auch nicht so interessiert an Udo Lindenberg wie Du, auch wenn es Teil „ unserer Jugend“ ist, hat es bei weitem nicht den Stellenwert von The Who, allerdings kenne ich den Kameramann persönlich, der hat auch schon mit der gleichen Regisseurin 2Bücher von Sven Regner verfilmt, die in ähnlicher Zeit spielen, das würde mich schon interessieren. Wenn ich reingehe, gibts noch einen Kommentar

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