„Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk ROSSMANN

Bewertung: 4 von 5.

Auch sehr reiche Menschen können von einer Mission getrieben werden, die über ihr persönliches Wohlergehen weit hinausreicht. Das trifft sicherlich in besonderem Maße für das Ehepaar Gates in den USA zu. Hier in Deutschland tut sich der Unternehmer ROSSMANN damit hervor, für eine große Sache einzutreten: die Verhinderung der Klimakatastrophe.
Während er Ende 2019 noch 25 000 Exemplare von „Wir sind das Klima“ (Jonathan Foer) verschenkte, schreibt er jetzt das Buch mit seiner Botschaft gleich selbst. Das ist mal ein Einsatz!

ROSSMANN kleckert nicht; er will an das große Massenpublikum heran.
Was wollen die Leute? Spannende Unterhaltung!
Also muss ein Thriller her.

Erzählt wird in zwei Zeitebenen: in einer etwas erweiterten Gegenwart (bis 2025) und aus einer rückblickenden Perspektive des Jahres 2100. Mit solchen Sprüngen kann man gut spielen; kaum etwas ist so erhellend wie ein Nachbetrachtung aus der Zukunft. Aber das ist erzähltechnisch noch nichts Besonderes.
Eine Art Alleinstellungsmerkmal bringt der Autor mit seiner sehr engen Anlehnung an die realen und aktuellen (welt)politischen Personen und Themen. So werden Putin, Jinping und Harris (Biden wurde zuzusagen übersprungen) zu handelnden Protagonisten, die sich tatsächlich zur Rettung der Welt zusammentun.
(Noch ein bisschen weiter treibt der etwas schelmische Autor, wenn er am Ende des Buches auch seine (real vorhandene) Freundschaft mit Gerhard Schröder ins Gespräch bringt).

Und dann ist da noch die Sache mit dem Oktopus.
Er dient offenbar als eine Art Gegengewicht zu der rationalen Logik von Macht und Wissenschaft und symbolisiert die organische, sich einer totalen Kontrolle entziehenden Kraft der lebendigen Natur.

Die zentrale – politische, moralische und philosophische – Frage, wie weit Macht (auch militärische) benutzt und Freiheit anderer (Staaten und Menschen) eingeschränkt werden darf, um ein höheres Ziel zu erreichen, sollte in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden.
Die Dinge werden sich zwar nicht so entwickeln wie in dieser Fiktion – aber über die Notwendigkeit einer irgendwie gearteten „Öko-Diktatur“ wird man mit absoluter Sicherheit in den nächsten Jahrzehnten immer mal wieder sprechen und streiten.
Dafür ist es sicher eine gute Übung, sich beim Lesen dieses Buches schonmal selbst dabei zu beobachten, auf welcher Seite man den stehen würde (ich wusste sehr schnell).

Auch wenn man an einigen Stellen im Buch deutlich spürt, dass die Handlung nur der Container für die Message ist: Das Buch ist handwerklich gut gemacht, enthält ausreichend Spannungsbogen und bietet ein weites Panorama, das von den Mächtigen und Reichen der Welt bis zu einfachen Menschen reicht, die nur zufällig in das Getriebe geraten sind.

Für mich ein wichtiges Buch und eine tolle Initiative eines Menschen mit einem persönlichen Sendungsbewusstsein.

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