„Die vier Winde“ von Kristin HANNAH

Bewertung: 3 von 5.

Eine amerikanische Familien-Saga auf dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und der großen Dürreperiode in den 30-iger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Die Protagonistin ist eine aus der eigenen Familie verstoßene Frau, die sich durch ein schweres Schicksal kämpft: Da ist die Not-Heirat mit dem Vater ihres Kindes, das beschwerliche Leben auf der Farm der Schwiegereltern und eine Tochter, die mit noch so viel Liebe und Mühe nicht zufriedenzustellen ist.
Dann kommt die Not – in Gestalt von jahrlangen Trockenheit, zerstörerischen Sandstürmen und dauerhaften Ernteausfall. Als dann der Ehemann und Vater das Handtuch wirft, bleibt irgendwann nur noch die Hoffnung auf ein besseres Leben im verheißenen Land, in Kalifornien.
Man ahnt es schon: Der Traum geht nicht in Erfüllung; auch hier geht es ums nackte Überleben unter unsäglichen Bedingungen.

Der Autorin liegt es ganz offensichtlich am Herzen, einen intensiven Eindruck von den bedrückenden Lebensverhältnissen der Farmern im mittleren Westen und der Wanderarbeiter auf den Plantagen in Kalifornien zu vermitteln. Parallel dazu entwirft sie die Biografie einer Frau, die es von Kindheit an gewohnt war, sich in ihr Schicksal zu fügen und klaglos Aufgaben und Pflichten erwartungsgemäß zu erfüllen. Auch unter ungünstigen Bedingungen saugt sie jede Spur von Zuwendung und Liebe auf. Erst die extremen und letztlich lebensbedrohlichen Erfahrungen mit der Ausbeutung durch Großgrundbesitzer und das Vorbild ihrer selbstbewussten Tochter machen aus der angepassten Frau eine Kämpferin. So wird dieses Buch auch zu einem Entwicklungsroman.

Not ist Not, und Überlebenskampf ist Überlebenskampf – da gibt es nicht viel zu differenzieren. Trotzdem haftet diesem Roman etwas Klischeehaftes an: Zu böse scheint die Welt, zu eigensinnig die Tochter, zu edel und grenzenlos belastbar scheint die Mutter, zu plötzlich und vor allem zu radikal kommt der Wandel. Möglicherweise ist das der Preis der extremen Personalisierung, durch die Zeitgeschichte in die Biografie von ein paar wenigen Figuren gepresst – und vor allem – emotionalisiert wird.
Bei mir hat das zunehmend Distanzierung ausgelöst – es war letztlich von allem eine deutliche Spur zu viel!

Ohne Zweifel gelingt es HANNAH, ein informatives und anrührendes Panorama dieser Zeit auszubreiten. Wenn einem eine sehr starke Zuspitzung auf das Thema „Gut gegen Böse“ nicht stört und man sich damit arrangiert, dass Roman-Figuren eben – aus dramaturgischen Gründen – immer im Zentrum des Geschehens stehen, dann kann hier durchaus ein lohnendes Leseerlebnis warten. Eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber klischeehaften Überzeichnungen sollte eher zur Zurückhaltung mahnen.
Zum Verständnis der – heute noch spürbare – Grundmentalität vieler Amerikaner (im Sinne von Eigenverantwortung und Staatsferne) leistet dieser Roman aus der Kernregion des Farmer-Lebens ganz sicher einen Beitrag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.